Reinhold Lewin: Luthers Stellung zu den Juden

Buchvorstellung mit dem Herausgeber Karsten Krampitz

Montag, den 11. Dezember 2017, um 20.00 Uhr

im Café Morgenrot, Kastanienallee 85, 10435 Berlin

 

Julius Streicher, der Spiritus Rector des antisemitischen Hetzblattes Der Stürmer, verteidigte sich 1947 im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess mit den Worten: „Dr. Martin Luther säße heute sicher an meiner Stelle auf der Anklagebank. […] In dem Buch Die Juden und ihre Lügen schreibt Dr. Martin Luther, die Juden seien ein Schlangengezücht, man solle ihre Synagogen niederbrennen, man solle sie vernichten“ In der Tat: Die knapp hundertfünfzigseitige Kampfschrift des Wittenberger Reformators liest sich noch heute wie ein Aktionsplan zur Reichspogromnacht. Man muss Luthers Traktate nur zitieren, um nachzuweisen, dass sein Judenhass exterminatorische Züge trug – von christlicher Judenfeindschaft kann keine Rede mehr sein. Was sollte daran denn „christlich“ sein? Martin Luther war ein Antisemit.

Sie sind eitel Diebe und Räuber, die täglich nicht einen Bissen essen noch einen Faden antragen, den sie uns nicht gestohlen und geraubet haben durch ihren verdammten Wucher; Leben also täglich von eitel Diebstahl und Raub mit Weib und Kind, als die Erzdiebe und Landräuber, in aller unbußfertigen Sicherheit. Denn ein Wucherer ist ein Erzdieb und Landräuber, der billig am Galgen sieben mal höher denn andere Diebe hängen sollt. – Sie halten uns Christen in unserm eigen Land gefangen; sie lassen uns arbeiten im Nasenschweiß (…), sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birn, fressen, saufen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut; haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, daß wir arbeiten und sie faule Junker lassen sein von dem Unsern und in dem Unsern; sind also unsere Herrn, wir ihre Knechte…“

Dem 1943 in Auschwitz ermordeten Rabbiner Reinhold Lewin kommt das Verdienst zu, auf diesem Gebiet die erste wissenschaftlich fundierte Monografie geschrieben zu haben, die im Alibri-Verlag Aschaffenburg nun wieder erschienen ist.

Karsten Krampitz, Historiker und Herausgeber stellt das Buch und seinen Verfasser vor.