Ab Mittwoch, den 6. Januar 2021, öffnen wir täglich von 14 Uhr bis 18 Uhr!

Einerseits hat das Virus bei eingeschränkter Öffnungszeit weniger Gelegenheiten sich zu verbreiten, andererseits habt Ihr so mehr Zeit zum Lesen, zum Ausschlafen, zum Kindererziehen, Blaumachen und was sonst noch wichtig ist. Ihr erreicht uns außerdem per Telefon, E-Mail, über das Kontaktformular unserer Webseite oder per Briefpost.

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Keine geistigen Tankstellen, trotzdem geöffnet (13.12.2020)

Auch während des Lockdowns bleibt die schwankende Weltkugel geöffnet, bitte beachtet die unten stehenden Nutzungshinweise!

Eines vorweg: Auf der Pressekonferenz des Senats zum so genannten harten Lockdown hat Kultursenator Klaus Lederer erklärt, Buchhandlungen seien als „geistige Tankstellen“ zu betrachten und bleiben geöffnet, da Bücher zu den „lebensnotwendigen Bedarfen“ gezählt werden. Man solle, so Lederer, in den drei Wochen auch 'mal ein Kinderbuch kaufen können.

Der Vergleich von Buchhandlungen mit Tankstellen geht auf ein Zitat von Helmut Schmidt zurück, das PolitikerInnen regelmäßig bemühen, wenn sie in die Lage geraten, etwas über den Buchhandel sagen zu sollen. Wir Buchhändlerinnen haben das schon etliche Male mit Grausen anhören müssen und und wir verbitten uns diesen ganz und gar missratenen Vergleich!

Während Treibstoff dazu dient, die allgemeine Raserei am Laufen zu halten, ist unsere Handelsware, das Buch, dazu gänzlich ungeeignet. Anders als Rasen ist Lesen leise und riecht gut. Es tötet weder herumlaufende Tiere noch FußgängerInnen und verursacht auch keinen gefährlichen Feinstaub. Im günstigen Fall führt Lesen zur Besinnung und zu neuen Einsichten, fördert Empathie, Fantasie und Weltverständnis, was man vom Autofahren wahrlich nicht behaupten kann.

Nicht genug, dass das Tankstellen-Zitat abgeschmackt und inhaltlich falsch ist, wird es in der Regel auch noch falsch zitiert. Helmut Schmidt sagte nicht, dass Buchhandlungen, sondern dass „öffentliche Bibliotheken […] die geistigen Tankstellen der Nation“ seien. Mal abgesehen davon, dass wir mit der Nation erst recht nichts am Hut haben, finden wir es bedenklich, dass KulturpolitikerInnen der Unterschied zwischen Buchhandlungen und Bibliotheken offenbar nicht so wichtig oder vielleicht sogar nicht ganz klar ist. Zwar haben beide nichts mit Benzin und Nation zu tun, sondern mit Büchern. Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings darin, dass in Bibliotheken auch die Kinder Bücher ausleihen können, deren Eltern es sich nicht leisten können, alle drei Wochen ein Buch zu kaufen.

Ob Bibliotheken während des Lockdowns geöffnet bleiben, hat der Senat bisher noch nicht bekannt gegeben. Buchhandlungen können es jedenfalls. Wir bitten Euch daher, Folgendes zu beachten:

  • Zusätzlich zur Buchhändlerin sind maximal zwei Personen im Buchladen zugelassen.

  • Stöbern könnt Ihr im Webshop, im Laden geht es derzeit nicht.

  • Bitte haltet Euren Aufenthalt kurz. Auch wenn Ihr gut gelaunt seid, bitte trotzdem nicht im Buchladen singen!

  • Wenn Ihr eine ausführlichere Beratung möchtet, schreibt uns gerne eine Mail.

  • Natürlich verschicken wir auch weiterhin Bücher, allerdings haben die Post/DHL und andere Lieferdienste Schwierigkeiten, das Paketaufkommen zu bewältigen und es kommt zu großen Verzögerungen. Wenn ihr in Berlin wohnt, ist Selberabholen der schnellste Weg!

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 „Rückkehr zur Normalität“ – welche Normalität? (August 2020)

Wir werden gefragt, ob der Buchladen jetzt auch wieder normal geöffnet habe. Die Sprecher des Einzelhandelskapitals freuen sich natürlich, wenn die Geschäfte wieder laufen. Aber sie stehen auch nicht selbst im Laden. Wollen wir uns, Euch und alle anderen auf diesem Planeten vor dem Corona-Virus schützen, können wir uns nicht nach den Maßgaben der Obrigkeit richten, sondern müssen uns an unseren eigenen Verstand halten.

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Wir bitten Euch, den Buchladen nur einzeln zu betreten, Euren Aufenthalt nicht allzu sehr in die Länge zu ziehen, den gebührenden Abstand zu halten und Geduld zu üben, wenn nicht alles „normal“ klappt. Auch unsere Lieferanten halten in ihren Betrieben weiterhin bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ein, was manchen Ablauf verzögert.

Wir raten außerdem, von überfüllten Werkshallen, zu engen Großraumbüros und von allen Arbeitsstätten, an denen es nicht möglich ist, die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Hygienemaßnahmen einzuhalten, einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Kilometern zu wahren.

Und schließlich noch ein literarisches Zitat von Virginia Woolf, in dem das Dringendste enthalten ist: „fünfhundert (Pfund) im Jahr und ein eigenes Zimmer“ für alle, die es jetzt brauchen. Die, die keine Wohnung haben, die in Flüchtlingsunterkünften kaserniert sind, die von häuslicher Gewalt bedroht sind.

Mit besten Wünschen

Eure Buchhändlerinnen von der schwankenden Weltkugel