Françoise Frenkel: Nichts um sein Haupt zu betten

Die Zurechtweisung der Blockwartsfrau, den Müll korrekt zu trennen, klingt wie eine Morddrohung. Frenkel schildert, wie sich die Entwicklung zur Katastrophe in kleinen, alltäglichen Begebenheiten niederschlägt. Die jüdische Polin führte in Berlin eine französische Buchhandlung, die sie erst nach Kriegsbeginn aufgab, um wie tausende andere zunächst nach Frankreich und dann weiter in die Schweiz zu fliehen. Die Mittel und Wege der Fluchthilfe unterschieden sich nicht sehr von den heutigen. Die Motive derer, die Scheinehen, Beherbergung, Schlepperei, etc. anboten, waren nicht immer selbstlos. Oft ging es ihnen um materielle oder auch „emotionale“ Ausnutzung der Schutzbedürftigen. Frenkel hatte Glück. Mit der Unterstützung eines mutigen Ehepaars, das in Nizza einen Friseursalon betrieb, gelang ihr nach mehreren gescheiterten Versuchen der illegale Übertritt über die Schweizer Grenze. Ihr Leben war gerettet, und sie hinterließ einen großartigen literarischen Bericht über Vichy-Frankreich: Eine Gesellschaft von Kollaborateuren und Antifaschistinnen; Franzosen, die die Deutschen hassen, aber die Juden noch mehr; Menschen, die – zu Flüchtlinge geworden – verloren in billigen Hotels, auf der Promenade des Anglais und hinter zugezogenen Vorhängen warten.

Frenkel, Françoise
btb Verlag
ISBN/EAN: 9783442716081
10,00 €
Kategorie:
Geschichte