0

Buchtipps

Die feministische Kritik der Frauenhefte Die schwarze Botin bewegt sich auf hohem kulturanalytischen Niveau. Sie kritisiert die politische Vereinnahmung der Frau, sei es durch die Frauenbewegung oder die Linke. Sie polemisiert gegen den wiederkehrenden Kult gefühliger, sorgender, innerlicher Weiblichkeit, Müttermacht und Hexenesoterik. Erfahrung und das scheinbar Identische muss reflektiert und zerschnitten werden, um seinen gesellschaftlichen Inhalt offenzulegen.

Sally Rooney erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die in der Oberstufe der Schule das erste Mal zueinander finden und, für sie selbst nicht ganz erklärlich, nicht mehr voneinander lassen können. Connell, Sohn einer Reinigungskraft, ist in der Schule der irischen Kleinstadt gut integriert und beliebt, während Marianne, aus einer betuchten Anwaltsfamilie, als schräge und arrogante Außenseiterin gilt. Als die beiden anfangen sich zu treffen, soll das niemand wissen.

Als gegen Ende der ersten Pandemiewelle die Rufe nach einer „Rückkehr zur Normalität“ immer lauter wurden, fragten wir in einem Aushang unseres Buchladens: „welche Normalität?“ Auch für Georg Seeßlen hält eine Rückkehr zur Normalität eher Schrecken denn Erleichterung bereit angesichts eines Systems, in dem Menschen nicht als Menschen, sondern in erster Linie als Arbeitskräfte und Konsument*innen gelten, wie die Coronakrise verschärft zutage treten lässt. Hauptsache „die Wirtschaft“ wird gerettet (und Weihnachten).

„Nüwa, die erste Göttin, irrte durch die stille Welt, und die Stille erfüllte ihren Leib mit Einsamkeit. Nahe einer Quelle fand sie gelbe Erde, sie nahm ein wenig davon in ihre Hände und begann eine Kreatur zu schaffen, die ihr ähnlich sah. Als sie diese Kreatur an die Quelle stellte, fing die Kreatur an zu lachen. Nüwa genoss den Klang dieses Lachens und schuf noch eine, und noch eine und viele andere mehr.“ (frühe chinesische Mythologie)

Always Coca-Cola ist die Geschichte dreier Freundinnen im Beirut der späten 1980er Jahre. Abir ist Studentin und lebt bei ihrer konservativen Familie. Wenn sie morgens ihr Spiegelbild betrachtet, prüft sie stets, ob es erste Anzeichen von Cellulite gibt. Im Spiegel reflektiert aber auch die Plakatwerbung von Coca-Cola an der Hauswand gegenüber. Überlebensgroß ist darauf ihre Freundin Jana zu sehen. Jana ist aus Rumänien in den Libanon eingewandert – der Liebe wegen. Die dritte im Bund ist Jasmin, ein ruhiger Typ, Kickboxerin.

Laura Willowes, Tochter einer biederen Bierbrauerfamilie, findet keinen Gefallen am Heiraten. Wäre sie ein Mann, hätte sie womöglich die Brauerei übernommen und wäre ein zufriedener Junggeselle geworden. Einer Frau im England der 1920er Jahre stand dieser Weg aber nicht in gleicher Weise offen. So reift Laura im Haushalt ihres verheirateten Bruders allmählich zu einer alten Jungfer heran, aufgrund ihres sanften Wesens geliebt von Nichten und Neffen.

Für alle, die es noch nicht gelesen haben: Effingers gibt es jetzt auch als Taschenbuch!

Es gibt eigentlich nichts, was für die Existenz von Geheimdiensten spricht. Ihre Daseinsberechtigung besteht allerdings darin, das Sujet für Agentenromane wie die von Mick Herron zu liefern. Zum Glück fürs deutsch lesende Publikum erscheinen diese jetzt nach und nach beim Diogenes Verlag.

In den Achtzigern hat man schlicht „Faschos“ gesagt, inzwischen ist von extrem Rechten und Rechtsextremen die Rede, von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, konformistischer Rebellion und völkischem Autoritarismus, von rechtspopulistisch oder zaghaft von rechtsoffen, reichlich reduziert von Rassist*innen oder nicht sehr geschichtsbewusst und doch irgendwie treffend von Nazis. In der Vielzahl von Bezeichnungen drückt sich eine gewisse Unsicherheit aus, mit was überhaupt man es zu tun hat.

Eine der ergiebigsten Faschismustheorien liefern die Forschungen der Kritischen Theorie zum autoritären Charakter. Angesichts der aktuellen Rebellion gegen simple Hygieneregeln wirken etwa die Studien von Leo Löwenthal verblüffend plausibel.* Die Reden faschistischer Agitatoren analysierte er als „umgekehrte Psychoanalyse“; faschistische Agitation zielt darauf, individuellen Querulantismus zu kollektivem Wahn zu steigern und das Realitätsprinzip außer Kraft zu setzen.