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Buchtipps

Angela, bekannt als Lady Bag, kommt aus dem Knast. Freiheit heißt endlich wieder Rotwein trinken und mit der geliebten Hündin Elektra plaudern. Aber so friedlich ist die Freiheit nicht. Nach der haftbedingten Trennung von Elektra kriselt die Beziehung, anstelle des Hundes unterhält sich Angela immer öfter mit dem Teufel. Außerdem wachen ihre Freunde streng über ihre Abstinenz. Angela sehnt sich nach den alten Zeiten auf der Straße, allein mit Elektra und dem Roten, ohne Heim und ohne lästige Freundschaften.

Ein Arbeiter Mitte fünfzig teilt im Bistro sein Dessert mit einem jungen spanischen Maler. Die beiden verlieben sich, ziehen zusammen und zusammen durch die Stadt. Der Junge, ein Bürgersohn, sehnt sich nach dem Leben der Bohème, aber in der Welt des Arbeiters, in seinen Umarmungen, der winzigen Hinterhofwohnung und dem Leben im Takt von Maloche, Müdigkeit und Amüsement wird es ihm bald zu eng.

Die Warschauer Journalistin Alicja soll eine Reportage über das rätselhafte Verschwinden von Kindern in Wałbrzych schreiben. Nur widerwillig reist sie in ihre alte Heimat, eine vom neuen Kapitalismus und der jüngsten Deindustrialisierung gerupfte und gezupfte Bergarbeiterstadt. Hier gedeihen Verschwörungstheorien und blinder Hass, falsche Propheten haben leichtes Spiel. Alicjas Recherche befördert auch die schmerzhafte Wahrheit über ihre eigene Kindheit zu Tage.

Dieses Jahr ist eine ganze Reihe von Büchern für junge Leute erschienen, die Frauen auf die literarische Bühne der Geschichte holen, unter anderem ein Bilderbuch über Ada Lovelace, Good Night Stories for Rebell Girls und eine Weltgeschichte für junge Leserinnen. Am besten gefällt uns die Graphic Novel von Pénélope Bagieu, die in witzigen Comics von den unbekannten Leben aufsässiger, mutiger und eigenwilliger Frauen berichtet.

Eine Frau in U-Haft, der Prozess läuft, aber das Urteil steht schon fest: Tod durch Steinigung. Das Delikt: Sie hat anstelle des alkoholisierten Muezzins zum Morgengebet gerufen und ist außerdem des Besitzes von Make-Up, Musikkassetten und Lyrikbänden überführt worden. Aber ihre Schuld ist eigentlich viel größer. Sie ist als Mädchen geboren worden. „Gerade mal eine Stunde alt und schon meines Geschlechts wegen angeklagt (...) Ich war eine Frau in einem Land, in dem es besser war, irgendetwas anderes zu sein, vorzugsweise geflügelt.“

Südstaaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im bürgerlichen Haushalt wird ausgebeutet was das Zeug hält. Diantha ist eine überaus vorbildliche Tochter und Verlobte, doch dem Unglück der häuslichen Ausbeutung will sie sich nicht beugen. Sie mausert sich zu einer Unternehmerin mit feministischer Guerillastrategie. Wo bisher persönliche Abhängigkeit, ein rassistisches Klassensystem und emotionale Erpressung herrschen, entdeckt Diantha den Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen.

Leo Lania war erst sozialistischer, dann kommunistischer, später basisdemokratischer Aktivist. Er befasste sich mit den avanciertesten literarischen und journalistischen Formen, arbeitete mit Rundfunk und Film, mit Brecht, Piscator und W. G. Pabst, um nur einige zu nennen. Berühmt wurde er für seine Reportagebücher z.B. über den Hitler-Ludendorff-Prozess. „Muckrakers“ (Schmutzaufwirbler) wie Upton Sinclair waren sein Vorbild.

Otto Weininger gebührt Respekt dafür, dass er wenigstens versucht hat, den allgemeinen und seinen besonderen Frauenhass nach den Regeln der Wissenschaft zu begründen. Diese Mühe haben sich andere Geistesgrößen nicht gemacht. Rousseau, Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche – um nur einige der zur Zeit Bekanntesten zu nennen – haben ihre misogynen Invektiven ebenso unsystematisch wie gleichmäßig in ihre Schriften gestreut. Für den Ausschluss von Frauen aus vier Jahrtausenden Geistesgeschichte haben sie auch keine plausibleren Argumente geliefert als beispielsweise ein Anders Behring Breivik.

Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig und Bertrand Russell, vor allem aber die Rezensenten lobten das Buch in den höchsten Tönen. Land im Zwielicht war nicht nur einer der erfolgreichsten Exilromane, sondern überhaupt eines der meist besprochenen Bücher in Großbritannien und den USA, es wurde schnell in viele weitere Sprachen übersetzt. Ein Grund für den Erfolg mag sein, dass man sich im Erscheinungsjahr 1934 fragte, was bloß los ist in Deutschland, wie konnte diese moderne Gesellschaft mit einer starken Arbeiterbewegung die Republik ab- und Hitler an die Macht wählen?

Starke Charaktere, spannende Cliffhanger und Sympathie mit den Schwachen und Entrechteten – was einige Rezensenten als „Telenovela-Stil“ moniert haben, finden wir gerade gut und unterhaltsam. Das Thema von Al-Aswanis jüngstem Roman – Herrschaft und Rebellion – ist nicht nur für seine ägyptische Leser*innenschaft hoch aktuell, wiewohl die Handlung in den späten 1940er Jahren spielt. Noch herrschen König und Engländer. Die Reichen und Mächtigen verlustieren sich im Automobilclub. Die Dienstboten wissen nicht, dass ihr Arm stark ist und das Rad stoppen könnte.