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Buchtipps

Schon vor acht Jahren hat der Autor einen Teil der eigenen Familiengeschichte literarisch bearbeitet: In In Zeiten des abnehmenden Lichts thematisierte er die familiäre Entwicklung im Osten Deutschlands bis zum Ende der DDR. In seinem neuen Roman geht er historisch einen Schritt weiter zurück, ins Moskau der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, der Zeit des Stalinschen „Großen Terrors“.

Was für eine lange seltsame Reise. Nach dem Zweiten Weltkrieg entkamen bewusstseinsverändernde Drogen aus den pharmazeutischen Labors. In den 1960er Jahren wurden sie geradezu zu einer Modedroge, von einer Handvoll Kulturrevolutionäre sogar als Allheilmittel verhimmelt, schließlich in die Illegalität gedrängt. Aber ganz allmählich kehren sie zurück in die medizinische Forschung, weil sich mit ihnen unter Umständen Suchterkrankungen und psychische Störungen behandeln lassen.  

Wenn Engel brennen ist die erste deutsche Übersetzung der US-Amerikanerin Tawni O’Dell.   In einer Bergbauregion pressen Gas- und Kohleindustrie die letzten Ressourcen aus dem Boden und hinterlassen verbranntes Land. Die öffentliche Bibliothek wird geschlossen, aber man feiert die Eröffnung eines Jugendknasts – neben dem Nagelstudio scheinbar das einzige Business, das den Leuten hier noch wirtschaftlichen Aufschwung verspricht.  

Wenn ein Krimi das Prädikat ‚psychologisch‘ verdient, dann dieser. Maggie Terry hat ihre Arbeit als Cop in New York geliebt, sie liebte ihre Freundin Frances und ihre gemeinsame Tochter, und sie liebte es, sich mit Alkohol und Drogen vollzuknallen. Sie hat viel Scheiße gebaut. Jetzt ist sie aus der Reha entlassen, bewohnt ein leeres Zimmer in einer Stadt voller Orte, Dinge und Menschen, die sie meiden muss – ein Leben auf Entzug, in dem die Treffen der Anonymen Alkoholiker*innen der einzige Anker sind.

Wie zeige ich jemandem meine Anteilnahme? Wieviel Zu-rückhaltung ist nötig? Wieviel Eigenes steckt im Mitleid mit anderen? Mit diesen Fragen ist Sella bei ihrer Arbeit als Krankenschwester immer wieder beschäftigt. Es sind Fragen ganz privater Natur und zugleich geben sie Auskunft über die Zivilisiertheit einer Gesellschaft.  

Ausgehend von den Schwestern Effia und Esi, die getrennt aufwachsen und sich nie begegnen sollten, folgt Yaa Gyasi in ihrem sprachgewaltigen Debütroman den Nachkommen der beiden Frauen über knapp 250 Jahre. Effia wird um 1780 an den Gouverneur der englischen Festung an der westafrikanischen „Goldküste“ verheiratet. Sie bleibt bei ihrem Mann, denn sie weiß: Nach Hause zurück kann sie nicht.

Schwarz und weiß getrennt, rund geschliffen, in Scheiben geschnitten und säuberlich geschichtet? Für Christine, Spross einer Familie, in der jiddische und afroamerikanische Kultur vielfach miteinander verbunden sind, gehört eine solche verkekste Logik zu den Zumutungen, mit denen man sich in dieser Welt rumschlagen muss. In der opulenten Fusion-Küche ihrer Großmutter, bei der Christine aufwächst, kommen Oreos jedenfalls nicht vor.  

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Wer je selbst einmal Lehrling war, kennt diese Wendung bis zum Überdruss.

Im Jahr 2005 ist Bagdad eine zerrissene Stadt. Inländische und ausländische Sicherheitskräfte, sunnitische und schiitische Milizen sind in einem Guerillakrieg verfangen, aus dem kein Ausweg in Sicht ist. Selbst das „Amt für Beobachtung und Beurteilung“, in dem altgediente Baathisten Astrologen und andere Mitarbeiter mit hellseherischen Fähigkeiten beschäftigen, weiß keine Lösung. Ihrer geheimdienstlichen Weisheit letzter Schluss ist derselbe wie überall: Man kontrolliert noch immer den Terror am besten, den man selbst verübt.

In den 1970er und 1980er Jahren erscheint der kleinen Mimi die Welt einigermaßen in Ordnung. Die Welt ist für sie ein kleines Städtchen an der Havel. Alle Pflasterstraße führen zu den alten Ziegeleien und sind ausgewetzt von den Fuhrwerken, die seit der industriellen Revolution darüber gefahren sind. Auch die Menschen sind von den Ziegeleien gezeichnet. Ob Karl Marx auch dort war, um dem Proletariat zu helfen?