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Buchtipps

Vor zwölf Jahren veröffentlichte die Autorin von Vernon Subutex eine wütende Tirade gegen alles, was die Gesellschaft den Frauen zu sein vorschreibt. Jetzt ist der Text in neuer Übersetzung erschienen. Despentes spricht „als Proletin der Weiblichkeit“, als eine, die immer „zu aggressiv, zu laut, zu grob, zu brutal, zu zerzaust, und immer zu männlich“ war, immer „eher begehrlich, als begehrenswert“. Sie spricht für alle, die dem, was ihrem Geschlecht abverlangt wird, nicht entsprechen können und wollen.

Neuausgabe nach der Erstedition. Von Arthur Koestler stammt eines der bekannteren literarischen Zeitdokumente über den spanischen Bürgerkrieg. Ein spanisches Testament berichtet von der Eroberung Malagas durch die faschistischen Putschisten im Januar und Februar 1937. Koestler selbst wurde gefangengenommen und als vermeintlicher Spion zum Tode verurteilt. Nach drei Monaten, in denen die Franquisten tausende Mitgefangene ermordeten, kam er auf Vermittlung der britischen Regierung hin frei.

/*-->*/ /*-->*/ Lesen bereichert den Wortschatz. Die neuen Wörter, die ich der Lektüre von Kein Schlusswort verdanke, lauten: tatermöglichend und erkenntniswidrig. Tatermöglichend waren die teils dilettantischen Ermittlungen und der institutionelle Rassismus der zuständigen Behörden. Erkenntniswidrig war die Ignoranz der Staatsanwaltschaft gegenüber allen Tatsachen und Indizien, die ihre These vom isoliert agierenden NSU-Trio hinfällig machen.

/*-->*/ /*-->*/ Aber klar doch, Verschwörungen, die gibt es und hat es immer gegeben, von der Ermordung Julius Cäsars über Watergate bis zur Abgas-Affäre. Verschwörungen werden im Geheimen abgesprochen, verfolgen ein abgestecktes Ziel, und je mehr Leute beteiligt sind, desto schneller fliegen sie auf.

Der Sommer, in dem alles anders wurde etc. pp. Nach diesem Schema sind viele Coming-of-Age-Geschichten angefertigt. „Das erste Mal“ wird als Initiation, Entdeckung und Erweckung der Sexualität erzählt, die Grenzen zu sentimentalem oder softpornographischem Kitsch sind dabei schnell erreicht. Auch Annie Ernaux' Erinnerung eines Mädchens dreht sich um „das erste Mal“. Aber es ist, als sei über „das erste Mal“ zum ersten Mal aus weiblicher Perspektive geschrieben worden.

Zwischen Chioggia und Ravenna lebte einst Lord Byron mit seiner Geliebten, und Antonioni drehte hier sein Männerdrama Der Schrei. Yseut hat Bargeld beiseite gelegt, eine Waffe gekauft, sich ins Auto gesetzt und in einem angestaubten fürstlichen Landhaus eingemietet. Sie möchte noch einmal, allein, die Schauplätze der Geschichten von Byron und Antonioni aufsuchen. Während sie über Schnellstraßen und Dämme brettert, reisen ihre Gedanken zurück zu den Stationen ihres eigenen Lebens. Von Wien nach Kalifornien und wieder zurück.

Aus Anlass des Fünfzigsten von `68 sind 2018 reihenweise Bücher erschienen. Das andere Achtundsechzig ragt tatsächlich heraus und weicht überraschend ab von einigen Narrativen, die immer wieder aufgerufen werden, wenn es um den gesellschaftlichen und politischen Wandel der 1960er Jahre geht: