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Buchtipps - Geschichte

Die Zurechtweisung der Blockwartsfrau, den Müll korrekt zu trennen, klingt wie eine Morddrohung. Frenkel schildert, wie sich die Entwicklung zur Katastrophe in kleinen, alltäglichen Begebenheiten niederschlägt. Die jüdische Polin führte in Berlin eine französische Buchhandlung, die sie erst nach Kriegsbeginn aufgab, um wie tausende andere zunächst nach Frankreich und dann weiter in die Schweiz zu fliehen. Die Mittel und Wege der Fluchthilfe unterschieden sich nicht sehr von den heutigen. Die Motive derer, die Scheinehen, Beherbergung, Schlepperei, etc. anboten, waren nicht immer selbstlos.

Während sich die kleine Louise Michel in den 1830er Jahren noch auf einem zerfallenden Schloss mit Voltaire und katholischer Mystik im wilden Denken übt, lassen sich ältere Zeitgenossen über den „prosaischen“ Charakter der modernen Welt aus. Die Industrialisierung schreitet voran und mit ihr wächst der „buntscheckige Haufen“ der Proletarisierten. Als Klasse der Besitzlosen teilen sie zunächst nicht viel miteinander, nicht Herkunft, nicht Heimat, keine gemeinsame Sprache und schon gar kein politisches Bewusstsein.

Was träumen Menschen in der Diktatur? Die Journalistin Charlotte Beradt befragte während der Zeit von 1933 bis zu ihrer Flucht aus Deutschland im Jahr 1939 Menschen in ihrer Umgebung nach ihren Träumen. Aus dieser Sammlung hat sie ein sehr beeindruckendes Buch gemacht. Ihre Referenz ist nicht etwa der große Traumtheoretiker Freud, sondern George Orwell, Hannah Arendt und vor allem Franz Kafka. Die Träume sind bestürzend eindringlich, klarsichtig, manchmal geradezu prophetisch.