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Buchtipps - Kriminalromane

‚Singuläre Frauen‘ sind sie alle, die Heldinnen unserer Lieblingskrimis von Sara Paretsky, Liza Cody, Monika Geier, Mercedes Rosende, Hannelore Cayre und anderen. Sie leben aus guten Gründen meistens allein. Sie sind nicht weniger abgebrüht und getrieben als ihre männlichen Pendants, aber man bekommt eher mit wovon. Mehr Innenleben haben sie allemal. Und was eventuelle Schrullen anbelangt: Ohne ihren unkonventionellen Stil kämen sie definitiv schlechter zurecht.

Es beginnt mit einem ganz gewöhnlichen Femizid. Eine Frau beendet eine Affäre, der Mann erwürgt sie im Affekt, kotzt und fühlt sich kühn und entwendet ihr Notizbuch. Was er nicht ahnt: Die Frau arbeitete als Spionin für eine hochgeheime Internationale Organisation umstürzlerischer Kräfte, die ihre Leute auch in den offiziellen Sicherheitsapparaten hat, und das Notizbuch enthält äußerst sensible chiffrierte Informationen.

Seema Dahami ist Großstadtgärtnerin, Hundefan und Vegetarierin, denn: „Milch ist Geschenk, Blut ist Gewalt“. Als ein eleganter älterer Herr mit dem Aussehen eines mediterranen Aristokraten sie mit der Gestaltung eines Dachgartens beauftragt, geraten ihre Prinzipien ins Wanken und sie selbst in den Bann ihres geheimnisvollen Kunden. Wird Seema seiner magnetischen Anziehungskraft widerstehen oder ihrer selbstverleugnenden Leidenschaft erliegen?

East ist 15 und aus seinem Viertel in Los Angeles kaum je rausgekommen, geschweige denn aus der Stadt. Was ihm das Leben dort beigebracht hat, ist in jeder Situation die Kontrolle zu behalten. Vermeintlich zur Bewährung schickt der Boss des Drogenrings, für den East arbeitet, ihn mit drei anderen jungen schwarzen Männern, alle Spezialisten auf ihrem Gebiet, nach Wisconsin, um einen Mordauftrag zu erledigen.

Es gibt eigentlich nichts, was für die Existenz von Geheimdiensten spricht. Ihre Daseinsberechtigung besteht allerdings darin, das Sujet für Agentenromane wie die von Mick Herron zu liefern. Zum Glück fürs deutsch lesende Publikum erscheinen diese jetzt nach und nach beim Diogenes Verlag.

Ursula López ist nicht die, die sie sein sollte, dessen ist sie sich sicher. Sie hätte nicht als ungeliebter Schatten ihrer schönen Schwester aufwachsen sollen. Sie will sich weder mit ein paar Pfunden zu viel, noch mit Diäten rumschlagen, und sie will kein bescheidenes, einsames Leben leben. In ihr brodelt ein Hass, den schon der schräge Blick einer Verkäuferin zum Überschäumen bringen kann.

Es ist schwer, nicht zu viel zu verraten über den zweiten Montevideo-Krimi von Mercedes Rosende, weil er so gut anschließt und seine Figuren dort abholt, wo Die falsche Ursula sie enden ließ.

Wie die uruguayische Autorin Mercedes Rosende arbeitet die Französin Hannelore Cayre in zweitem Beruf als Anwältin. Auch die Protagonistinnen ihrer Kriminalromane haben einiges gemeinsam. Sie werden gerne ausfällig. Und weil sie sich keine Hoffnung machen, dass irgendwer dem Verbrechen das Handwerk legen wird, greifen sie lieber selbst zu, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Wenn Engel brennen ist die erste deutsche Übersetzung der US-Amerikanerin Tawni O’Dell.   In einer Bergbauregion pressen Gas- und Kohleindustrie die letzten Ressourcen aus dem Boden und hinterlassen verbranntes Land. Die öffentliche Bibliothek wird geschlossen, aber man feiert die Eröffnung eines Jugendknasts – neben dem Nagelstudio scheinbar das einzige Business, das den Leuten hier noch wirtschaftlichen Aufschwung verspricht.  

Wenn ein Krimi das Prädikat ‚psychologisch‘ verdient, dann dieser. Maggie Terry hat ihre Arbeit als Cop in New York geliebt, sie liebte ihre Freundin Frances und ihre gemeinsame Tochter, und sie liebte es, sich mit Alkohol und Drogen vollzuknallen. Sie hat viel Scheiße gebaut. Jetzt ist sie aus der Reha entlassen, bewohnt ein leeres Zimmer in einer Stadt voller Orte, Dinge und Menschen, die sie meiden muss – ein Leben auf Entzug, in dem die Treffen der Anonymen Alkoholiker*innen der einzige Anker sind.