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Buchtipps - Romane/Erzählungen

Das kitschige Cover und der Titel haben mich nicht angesprochen. Auch nicht der Klappentext, der vom „überraschenden Zauber“ von „Limonade und Schoko-Brownies im entscheidenden Augenblick“ säuselt. Vielleicht habe ich das Buch nur aufgeschlagen, weil ich nicht glauben wollte, dass Paula Fox so etwas begeistern könnte. Und was offenbart sich mir? Ein Roman, der Freiheit und Liebe einmal wirklich anders buchstabiert!

Sophia de Mello Breyner Andresen (1919–2004) gilt als eine der wichtigsten portugiesischen Dichterinnen und ist hierzulande wenig bekannt. Sie entstammt aristokratischen Verhältnissen, verübte Klassenverrat und engagierte sich im Widerstand gegen den Estado Novo, die reaktionäre Diktatur. Nach der Nelkenrevolution 1974 war sie als Abgeordnete des Partido Socialista Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung. 1999 erhielt sie als erste Frau den Prémio Camôes, den wichtigsten Literaturpreis der portugiesischsprachigen Welt.

Neuübersetzung von  Manfred Allié.

Schauplatz dieses atmosphärischen und spannenden Romans ist ein großes, altes Haus an der schottischen Küste. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zieht Ruth mit ihrem Mann und dessen beiden Söhnen aus erster Ehe ein. Für die Londonerin ist es ungewohnt, dass genau beobachtet wird, wie oft sie das Café und wie selten sie die Messe besucht. Auch die lokalen Bräuche findet sie verstörend. Die Stiefsöhne gehen ins Internat, der Mann zu einer anderen. Ruth sucht Zuflucht beim Whisky und findet die Freundschaft der Haushälterin Betty.

Der Verbrecher Verlag hat unter dem Titel kurze form eine neue Reihe gestartet. Als zweiter Band sind nun Erzählungen von einer jungen Zagreber Autorin erschienen. Ein begeisterter Rezensent erkennt in Bakić schon die Nachfolgerin von Edgar Allan Poe und den Brüdern Strugatzki. 

Sally Rooney erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die in der Oberstufe der Schule das erste Mal zueinander finden und, für sie selbst nicht ganz erklärlich, nicht mehr voneinander lassen können. Connell, Sohn einer Reinigungskraft, ist in der Schule der irischen Kleinstadt gut integriert und beliebt, während Marianne, aus einer betuchten Anwaltsfamilie, als schräge und arrogante Außenseiterin gilt. Als die beiden anfangen sich zu treffen, soll das niemand wissen.

Always Coca-Cola ist die Geschichte dreier Freundinnen im Beirut der späten 1980er Jahre. Abir ist Studentin und lebt bei ihrer konservativen Familie. Wenn sie morgens ihr Spiegelbild betrachtet, prüft sie stets, ob es erste Anzeichen von Cellulite gibt. Im Spiegel reflektiert aber auch die Plakatwerbung von Coca-Cola an der Hauswand gegenüber. Überlebensgroß ist darauf ihre Freundin Jana zu sehen. Jana ist aus Rumänien in den Libanon eingewandert – der Liebe wegen. Die dritte im Bund ist Jasmin, ein ruhiger Typ, Kickboxerin.

Laura Willowes, Tochter einer biederen Bierbrauerfamilie, findet keinen Gefallen am Heiraten. Wäre sie ein Mann, hätte sie womöglich die Brauerei übernommen und wäre ein zufriedener Junggeselle geworden. Einer Frau im England der 1920er Jahre stand dieser Weg aber nicht in gleicher Weise offen. So reift Laura im Haushalt ihres verheirateten Bruders allmählich zu einer alten Jungfer heran, aufgrund ihres sanften Wesens geliebt von Nichten und Neffen.

Für alle, die es noch nicht gelesen haben: Effingers gibt es jetzt auch als Taschenbuch!

Im Elfenbein Verlag erscheint jetzt der autobiographisch gefärbte Romanzyklus Almosen fürs Vergessen von Simon Raven (1927–2001).