Buchtipps - Romane/Erzählungen

In den 1970er und 1980er Jahren erscheint der kleinen Mimi die Welt einigermaßen in Ordnung. Die Welt ist für sie ein kleines Städtchen an der Havel. Alle Pflasterstraße führen zu den alten Ziegeleien und sind ausgewetzt von den Fuhrwerken, die seit der industriellen Revolution darüber gefahren sind. Auch die Menschen sind von den Ziegeleien...
Was für ein Einstieg: Nachts auf der Flucht vor dem Nazi-Bruder der Liebsten nackt auf dem Rennrad durch den Pfälzer Wald. Und es geht so weiter: mitreißend, hart, lakonisch, berührend und immer wieder unfassbar und unerwartet witzig. Schonungslos blickt der Ich-Erzähler in Tijan Silas Debütroman auf sich selbst und seine Umgebung: während seiner...
Drei kleine Jungen werden Opfer eines Autobombenattentats auf einem Markt in Delhi. Die beiden Khurana-Brüder, elf und dreizehn Jahre alt, sterben. Ihr Freund Mansoor überlebt. Es war „eine kleine Bombe“, wie sie in den 1990er Jahren in Indien laufend explodieren. Selten führen die Ermittlungen zu einem Ergebnis, eine Explosion übertönt die...
Seit dem Tod des Marschall-Vaters ist die spiroistische Partei desorganisiert wie ein geköpftes Huhn. Die verschiedenen Fraktionen bekämpfen sich gegenseitig, die Macht der Erstkämpferfamilien scheint hingegen ungebrochen. Die Jugend Crocutaniens verfällt unterdes dem illegalen Flipperspielen. Es entsteht eine klandestine Flipperszene, in der auch...
Vom Totalitarismus „realsozialistischer“ Prägung handelt auch Maxim Billers neuester Roman. Der stalinistische Antisemitismus treibt die Billers in die Emigration, von Moskau nach Prag. Radon und Semjon ziehen mit ihren Kindern Maxim und Jelena weiter nach Hamburg, der ferne Onkel Lev ist schon längst in Brasilien. Über Kanada und Paris landen...
„Die Gerechten müssen den Verdammten ihren Platz zuweisen können“, so gebietet es das Gesetz der rassistischen Gesellschaft. Alonzo Hunt, genannt Fonny, ist ihm in die Fänge geraten. Ein bösartiger irischer Polizist hat beschlossen, ihm, dem jungen schwarzen Mann, der sich nicht einschüchtern ließ, die Vergewaltigung einer puertoricanischen Frau...
Die Welt hat sich fundamental verändert – und auch wieder nicht. In Naomi Aldermans hoch spannendem Roman Die Gabe kehren sich innerhalb kürzester Zeit die Kräfte- und Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern um. Den Frauen ist ein neues Organ gewachsen, mit dessen Hilfe sie Stromstöße abgeben können – stimulierende, schmerzhafte, tödliche....
Der Sommer, in dem alles anders wurde etc. pp. Nach diesem Schema sind viele Coming-of-Age-Geschichten angefertigt. „Das erste Mal“ wird als Initiation, Entdeckung und Erweckung der Sexualität erzählt, die Grenzen zu sentimentalem oder softpornographischem Kitsch sind dabei schnell erreicht. Auch Annie Ernaux' Erinnerung eines Mädchens dreht sich...
Zwischen Chioggia und Ravenna lebte einst Lord Byron mit seiner Geliebten, und Antonioni drehte hier sein Männerdrama Der Schrei. Yseut hat Bargeld beiseite gelegt, eine Waffe gekauft, sich ins Auto gesetzt und in einem angestaubten fürstlichen Landhaus eingemietet. Sie möchte noch einmal, allein, die Schauplätze der Geschichten von Byron und...
Ein Arbeiter Mitte fünfzig teilt im Bistro sein Dessert mit einem jungen spanischen Maler. Die beiden verlieben sich, ziehen zusammen und zusammen durch die Stadt. Der Junge, ein Bürgersohn, sehnt sich nach dem Leben der Bohème, aber in der Welt des Arbeiters, in seinen Umarmungen, der winzigen Hinterhofwohnung und dem Leben im Takt von Maloche,...

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