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Sagen und Legenden aus Thüringen

Sagen und Legenden

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783955403812
Sprache: Deutsch
Umfang: 160 S.
Format (T/L/B): 1.9 x 20.5 x 17.2 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Sagenhafte Weiten in Thüringen Im alten Königreich Thüringen treffen wir Edelmann Iring und die umtriebige Amalaberga. Dann sausen wir weiter zur Wartburg, wo uns Ludwig IV. und die heilige Elisabeth erwarten. Nur ein paar Jahr(hundert)e später treffen wir dort auch den Junker Jörg - niemand anders, als der bekannteste Deutsche aller Zeiten: Martin Luther. Thüringen bietet eine reichhaltige Tradition unzähliger Sagen und Legenden. Mario Junkes hat wieder einmal tief gegraben und diese für Sie gesammelt. Sie reisen im Handumdrehen vom Kyffhäuser und Kaiser Barbarossa zum Großen Hermannsberg und goldenen Kegeln, zu den Rittern von Eisfeld und zurück zur Wartburg, den Ludowingern, einem Sängerkrieg und dem Zauberer Klingsor. Zwischendrin begegnen Sie Frau Holle und Frau Perchta, Sie treffen die Heiligen Bonifatius und Landespatron Georg - und Sie erfahren, wo man Mörtel mit Wein angerührt hat. Thüringen ist ein Kleinod, das nicht nur reichhaltige deutsche Geschichte bietet, sondern auch eine riesige Schatzkiste voller Sagen und Legenden verwahrt. Alle warten darauf, entdeckt zu werden - und Sie halten die Eintrittskarte in Ihrer Hand.

Autorenportrait

Mario Junkes, geboren 1972, war nach Ausbildungen zum Fremdsprachenkorrespondent und Übersetzer für deutsche und internationale Arbeitgeber in mehreren europäischen Ländern tätig. Seit 2012 widmet er sich zunehmend eigenen Schreibprojekten. Einer seiner Schwerpunkte ist die Sagenwelt Europas.

Leseprobe

'Mein Name ist Jörg. Junker Jörg.' Ein geheimnisvoller Gast auf der Wartburg Eines Abends brachten der Eisenacher Amtmann Hansen von Berlepsch und Ritter Hans von Wenkheim einen Mann auf die Wartburg. Die beiden Edelmänner hatten den Mann offenbar gefangengenommen, als dieser an des Ritters Residenz Altenstein vorbei durch den Wald nach Waltershausen ziehen wollte. Auf der Wartburg angekommen, wurde der Mann in ein Zimmer des Ritterhauses einquartiert und bestens versorgt. Er trug die Kleidung eines Ritters, dazu ein Schwert und man redete ihn an mit Junker Jörg. Wenn dieser Junker Jörg ein Ritter war, so verstand er es offenbar ebenso trefflich, Tinte und Papier wie eine scharfe Waffe zu führen. Seine Gefechte trug er allesamt in seinem Zimmer aus und wie der Thüringer Schutzpatron Sankt Georg rückte er dem geistlichen Drachen Roms zu Leibe - doch wo der Heilige mit stählerner Klinge gekämpft hatte, rückte der Junker dem Feind mit seinem im Namen des Volkes geführten Gänsefederschwert bei. Junker Jörg hatte den Schauplatz betreten - und zwar mit Gerechtigkeit im Sinn. Er kämpfte mit der Waffe des Geistes und übersetzte ein weit mehr als tausend Jahre altes Gesetzbuch endlich in die deutsche Sprache. Doch nicht nur die vatikanischen Drachen machten dem tapferen Junker zu schaffen: Auch Meister Urian selbst soll sich viele Male in der Übersetzerstube gezeigt haben, um das Werk mit allen Mitteln zu verhindern: sei es als Schatten, als Sack rappelnder Nüsse oder als Alptraumgestalt. Eines Tages soll sich der Herr der Fliegen in Form eines geflügelten Untertans gezeigt und den armen Junker immer wieder versucht und gepeinigt haben, dass dieser ein Tintenfass wie einen Wurfstern nach dem Teufel schleuderte. Das Fass schlug hinter dem Ofen ein und hinterließ einen riesigen Fleck an der Wand. Der Teufel war zwar verschwunden, doch der Fleck tauchte immer wieder auf, so oft man ihn auch zu überstreichen suchte. Nach einer Weile wurde es für Besucher der Wartburg ein geliebter Brauch, sich Teile der Wand als Andenken zu sichern - eine Reliquie des Kampfes Gut gegen Böse. Wenn Junker Jörg ausritt, wurde ihm ein ehrbarer und verschwiegener Reitersmann zur Seite gestellt. Der getreue Diener unterstützte den Junker nicht nur in Fragen der Reitkunst, sondern bewahrte den geselligen Gelehrten in Herbergen davor, sein Schwert abzulegen und auch seine Bücher aus der Tasche zu holen, damit man ihm nicht sofort den Schreiber ansehe. Mittels dieser List konnte Junker Jörg sich während der langen Zeit auf der Wartburg mitunter auch gelegentlich bei seinen Freunden zeigen, denn ritterliche Verkleidung und ein dichter Bart schützten den Verfolgten davor, erkannt zu werden. Nur im Kloster Reinhardsbrunn soll ein Mönch ihn erkannt haben. Als dieser erfreut die Kunde verbreiten wollte, drängte des Junkers Diener zum Aufbruch: Man habe sich bei einer Gesellschaft angesagt, müsse eilen, um noch rechtzeitig anzukommen - und schon waren die beiden auf und davon zum schützenden Schloss Wartburg. Dort setzte der Junker eifrig und meisterlich seine Arbeit fort und schließlich begannen die Hände des Volkes in Thüringen und Sachsen an den Thronen der Mächtigen zu rütteln. In Wittenberg und anderen Städten forderten nun auch die Bürger den sprichwörtlichen Drachen zum Kampf heraus: Die Bauernkriege brachen über das Land herein. Mutige Menschen wie Thomas Müntzer mussten Gefangennahme, Folter und Enthauptung hinnehmen - doch nun war die Zeit der Reformation angebrochen. Auch Junker Jörg hielt es nicht länger im sicheren Wartburgzimmer. Er eilte nach Wittenberg und kämpfte mit den ihm liebsten Waffen Mut und Geist beharrlich und ehrenvoll gegen die grauenhaften Drachen der Unterdrückung und Willkür. Von nun an jedoch konnte er wieder seine eigenen Farben zeigen und durfte auch endlich wieder öffentlich aussprechen, was die Vorsicht so lange verboten hatte: 'Mein Name ist Luther. Martin Luther.' Eine andere Legende besagt, man habe Luthers Lei