Mick Herron: Slow Horses

Es gibt eigentlich nichts, was für die Existenz von Geheimdiensten spricht. Ihre Daseinsberechtigung besteht allerdings darin, das Sujet für Agentenromane wie die von Mick Herron zu liefern. Zum Glück fürs deutsch lesende Publikum erscheinen diese jetzt nach und nach beim Diogenes Verlag.

Im Mittelpunkt steht das Slough House in Finsbury, eine Gegend in London, in der es garantiert immer regnet. Hierhin schiebt der MI5 die Slow Horses ab, Agentinnen und Agenten, die von ihren Posten entfernt wurden, weil sie einmal kolossal versagt haben. Es handelt sich keineswegs um einen Gnadenhof für altgediente lahme Gäule, es ist einfach nur zeitgemäßes Personalmanagement und günstiger als eine arbeitsrechtlich korrekte Kündigung. Durch stupide Aufgaben sollen die Versager zermürbt und dazu gebracht (zermürbt und motiviert passt nicht gut zusammen) werden, den Dienst aus eigener Initiative zu quittieren.

Das Personal ist eine kuriose Ansammlung gescheiterter Existenzen, allen voran der Chef, Jackson Lamb. Er ist ein Mann, dessen Wanst aus dem müffelnden Hemd quillt und über dem offenen Hosenstall hängt und der sich entweder in der Nase, im Ohr, zwischen den Zähnen oder an den Kronjuwelen herumpopelt. Als literarische Figur ist Jackson Lamb einfach hinreißend! Mit demselben Geschick, mit dem er seine Vergangenheit und seine Fertigkeiten als Top-Agent verbirgt, spielt er aus, was er gegen die MI5-Zentrale am Regent’s Park in der Hand hat.

Regent’s Park (eine Reminiszenz an den Bond-Autor Ian Fleming, der dem MI5, der im echten Leben in Vauxhall residiert, diese feine Adresse zugewiesen hat) ist omnipräsent und unerreichbar zugleich. Von dort sind sie alle vertrieben worden, dorthin wollen sie alle zurück. Der große Antagonist sitzt nicht im Kreml oder in irgendeiner afghanischen Höhle, sondern am Regent’s Park. Zumindest ist der MI5 bei jeder Schweinerei dabei, in die die Slow Horses hineingaloppieren. Etwa bei der Entführung eines pakistanischstämmigen Jugendlichen durch Rechtsradikale, bei der außerdem ein einst renommierter, dann scharf rechts abgebogener Journalist und ein Faschist im Schafspelz mit Ambitionen auf den Ministerpräsidentenposten mitmischen. Weit weniger realistisch, aber ebenso spannend ist der Plot in Jackson Lambs zweitem Fall: Hier erwacht eine Schläferzelle des KGB, die das Ende des Kalten Kriegs um ein paar Jahrzehnte verpennt hat, und zwar in einem Dorf, das englischer nicht sein könnte. Im dritten Band wird ausgerechnet die Kompetenteste der Inkompetenten von einem verflossenen Liebhaber entführt: Lambs Assistentin, eine einsame trockene Alkoholikerin, von der man nicht so genau weiß, ob sie eine graue Maus oder ein echter Tiger ist.

Herron, Mick
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257245059
13,00 € (inkl. MwSt.)
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Herron, Mick
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257245554
13,00 € (inkl. MwSt.)
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Herron, Mick
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257300802
18,00 € (inkl. MwSt.)
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Herron, Mick
John Murray Publishers
ISBN/EAN: 9781473674189
13,00 € (inkl. MwSt.)
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Herron, Mick
John Murray Publishers
ISBN/EAN: 9781473674196
13,00 € (inkl. MwSt.)
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Herron, Mick
John Murray Publishers
ISBN/EAN: 9781473674202
13,00 € (inkl. MwSt.)