Charlotte Perkins Gilman: Diantha oder der Wert der Hausarbeit

Südstaaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, im bürgerlichen Haushalt wird ausgebeutet was das Zeug hält. Diantha ist eine überaus vorbildliche Tochter und Verlobte, doch dem Unglück der häuslichen Ausbeutung will sie sich nicht beugen. Sie mausert sich zu einer Unternehmerin mit feministischer Guerillastrategie. Wo bisher persönliche Abhängigkeit, ein rassistisches Klassensystem und emotionale Erpressung herrschen, entdeckt Diantha den Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen. Als Erfolgsstory einer Frau mit guten Geschäftsideen, keiner Scheu vor großen Maßstäben und taktischer Schläue ist der Roman von Charlotte Perkins Gilman aus den Jahren 1909/1910 sehr vergnüglich zu lesen. Gleichwohl ist die Beschränktheit von Diantha als Entwurf weiblicher Emanzipation aus heutiger Perspektive offensichtlich und wird in dem Nachwort von Petra Schaper Rinkel ausgiebig reflektiert. Perkins Gilman will die Frau des weißen Bürgertums durch Outsourcing und Rationalisierung von der Hausarbeit freistellen für einen bürgerlichen Beruf und die romantische Ehe, Dienstbot*innen werden durch Angestellte ersetzt, Sklav*innen durch „Zuckerschnuten“. So weit, so ambivalent, und dass sich mit der „Macht der Fertiggerichte“ gesellschaftliche Fortschritte verwirklichen lassen, glauben heute nur noch die Werbung und die Bundesregierung.

Doch bleiben wir auf der Ebene des Romans, gibt es eine Autorin wiederzuentdecken, die mit spitzer Feder viele fiese Maschen aufspießt, mit denen Frauen entmutigt und entmündigt werden. Weil die sexistische Bigotterie noch immer blüht und gedeiht, ist Diantha keineswegs  politisch von gestern.

Gilman, Charlotte Perkins
Mandelbaum Verlag
ISBN/EAN: 9783854765479
19,90 €
Kategorie:
Romane/Erzählungen