Eugen Ruge: Metropol

Schon vor acht Jahren hat der Autor einen Teil der eigenen Familiengeschichte literarisch bearbeitet: In In Zeiten des abnehmenden Lichts thematisierte er die familiäre Entwicklung im Osten Deutschlands bis zum Ende der DDR. In seinem neuen Roman geht er historisch einen Schritt weiter zurück, ins Moskau der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts, der Zeit des Stalinschen „Großen Terrors“. Anhand der Kaderakte der Großmutter schildert er das Schicksal zahlreicher überzeugter Kommunisten, die damals im Hotel „Metropol“ auf ihre Anhörungen oder Festnahmen warten mussten.

 

Die Frage nach Notwendigkeit oder Berechtigung dieser Säuberungen bleibt lange eher tabuisiert: Die Parteiführung um den Genossen Stalin wird ihre Gründe haben. Selbst der weltbekannte Intellektuelle Lion Feuchtwanger, der 1936/37 die UdSSR besuchte, fand nichts Anstößiges an den Schauprozessen, mit denen fast die ganze altbolschewistische Elite liquidiert wurde.

 

Arthur Koestler hatte als früher Renegat schon 1940 in Sonnenfinsternis schonungslos diese gespenstische Szenerie beleuchtet – Ruges persönlich-subjektiver Blickwinkel führt uns diese düstere Phase linker Geschichte trotz langer zeitlicher Distanz in all ihrer Brutalität vor Augen.

 

Eine Gastrezension von Heinz Auweder aus der Jos Fritz Buchhandlung, Freiburg

Ruge, Eugen
Rowohlt Verlag
ISBN/EAN: 9783498001230
24,00 € (inkl. MwSt.)
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Ruge, Eugen
Rowohlt Verlag
ISBN/EAN: 9783499254123
12,00 € (inkl. MwSt.)
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Koestler, Arthur
Elsinor Verlag e. K.
ISBN/EAN: 9783942788403
28,00 € (inkl. MwSt.)