Details

ISBN/EAN: 978-3-311-10139-0
Einband: gebundenes Buch
Weitere Details
Originaltitel:
E. E.
Übersetzer:
Lothar Quinkenstein
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
304 S.
Format (T/L/B):
2.9 x 21.1 x 13.4 cm

Hersteller:
Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung GmbH
info@schoeffling.de
Kaiserstraße 79
DE 60329 Frankfurt am Mai


Weitere Details arrow_forward_ios
25,00 €

Lieferbar innerhalb 24 Stunden

Unser Tipp für Sie

Bevor Olga Tokarczuk die Romane schrieb, für die sie mit dem Nobelpreis geehrt wurde, war sie Psychotherapeutin. Ihr Erstlingswerk, 2005 in Polen erschienen, vollzieht in gewisser Weise den Übergang von der Psychologie zur Literatur. Die diskreten Initialen zeigen es an: E. E. ist der Roman einer Fallanalyse.

Die fünfzehnjährige Erna Eltzner, Tochter einer bürgerlichen Familie in Breslau, erleidet Ohnmachtsanfälle, hört Stimmen und sieht Geister. Das macht sie zur Attraktion der Séancen, zu denen Ernas Mutter in ihrem Salon spirituell veranlagte Mitbürger:innen einlädt. Den Teilnehmenden der Tischgesellschaft widmet der Roman jeweils einzelne Kapitel. Zu ihnen gesellen sich der besorgte Arzt der Familie und ein junger Hirnforscher, der den Fall E. E. studieren wird. Wie ihre Hände auf dem Tisch, berühren sich die Geschichten und Wünsche der einzelnen Personen. Zum Phänomen der adoleszenten Tagträume haben alle unterschiedliche Theorien. So kommen auch die »Geistesdebatten« der Zeit – zu Beginn des 20. Jahrhunderts – auf den Tisch: der Irrationalismus und esoterische Energielehre, die medizinische Sucht nach stofflichen Ursachen und die Entdeckung des Unbewussten, das, wie der skeptische alte Arzt grübelt, vielleicht der Schlüssel zur Modediagnose der Hysterie sein könnte.

Die Geschichte von E. E. hat, das darf verraten werden, ein Happy End. Denn die traumwandlerische Erna wird von ziemlich genialen Zwillingsschwestern beschützt. Und die Psychoanalyse setzt sich durch gegen Pseudomächte und Pseudowissen.

Wem E. E. als Roman zu skizzenhaft bleibt, und wer sich von Tokarczuk noch tiefer in die Geister- und Geisteswelt nach 1900 entführen lassen will, denjenigen raten wir, ihren formvollendeten jüngsten Roman gleich im Anschluss zu lesen:

Olga Tokarczuk: Empusion. Eine natur(un)heilkundliche Schauergeschichte

In dem abgelegenen Lungenkurort Görbersdorf sind die verordneten Heilanwendungen 1913 so robust wie die Bewohner:innen des Örtchens. Wer auf einen freien Platz in dem berühmten Sanatorium wartet, quartiert sich vorübergehend im einzigen Gasthaus am Ort ein – und kommt nicht mehr davon los, auch nicht, als die Wirtin unter mysteriösen Umständen stirbt. War es wirklich Suizid? Überhaupt sterben erstaunlich viele Menschen, vor allem Männer, in Görbersdorf und keineswegs nur an Tuberkulose. Und was hat es mit den Zwangsstühlen auf sich, die offenbar gleich in mehreren Häusern des Ortes stehen? Niemand spricht über die unheimlichen Vorgänge – stattdessen wird in der allabendlichen Männerrunde im Gasthaus leidenschaftlich die »Frauenfrage« diskutiert. Kunstvoll baut Tokarczuk die Spannung auf und führt sie zu einem furiosen und verblüffenden Finale.

 

Lesen Sie unsere vollständige Rezension

Beschreibung

Breslau 1908: Als eine der mittleren Töchter einer kinderreichen deutsch-polnischen Familie führt Erna Eltzner ein eher unauffälliges Leben. Alles ändert sich, als sie wenige Tage nach ihrem fünfzehnten Geburtstag am Mittagstisch ohnmächtig wird. Nicht nur hört sie Stimmen, auch ein Geist erscheint ihr. Frau Eltzner ist in heller Aufregung: Zeigen sich in ihrer Erna, der sie sich am nächsten fühlt von allen Kindern, die medialen Fähigkeiten, über die auch sie zu verfügen meint? Ernas Vater Friedrich Eltzner gehen die Belange seiner Kinder nicht wirklich etwas an. Doktor Löwe besucht die Kranke, wenngleich er für Übersinnliches wenig übrig hat, und rät, nach einem Exorzisten zu schicken. Der wundersame Walter Frommer wird zurate gezogen, seines Zeichens Okkultist und bewandert in esoterischen Belangen. Und Joachim Vogel, zweifellos ein Experte auf seinem Gebiet, der sehr modern über psychische Krankheiten denkt. Wenn Frau Eltzner nun zu Séancen lädt, herrscht feierliche Stille in der Wohnung. Tritt die Tochter mit den Seelen der Verstorbenen in Kontakt, ist die verwitwete Frau Schatzmann, die ihren Mann vermisst, ebenso fasziniert wie ihr Sohn Arthur, der ein großer Physiologe werden will. Handelt es sich um eine Gabe, oder ist Erna dem Wahnsinn verfallen, gar hysterisch? Die Fünfzehnjährige wird zum Phänomen, zum Fall E.E.

Leseprobe

'Die Leute wollen ständig irgendetwas Außergewöhnliches, sie brauchenWunder, brauchen den Wahnsinn '