Arthur Koestler: Ein spanisches Testament

Neuausgabe nach der Erstedition.

Von Arthur Koestler stammt eines der bekannteren literarischen Zeitdokumente über den spanischen Bürgerkrieg. Ein spanisches Testament berichtet von der Eroberung Malagas durch die faschistischen Putschisten im Januar und Februar 1937. Koestler selbst wurde gefangengenommen und als vermeintlicher Spion zum Tode verurteilt. Nach drei Monaten, in denen die Franquisten tausende Mitgefangene ermordeten, kam er auf Vermittlung der britischen Regierung hin frei.

Koestlers Aufzeichnungen aus der Zelle enthalten tiefgehende, nüchterne Selbstbeobachtungen eines Menschen, der ans Äußerste gebracht ist. Und sie bewahren die Erinnerung an einige wenige, mit denen Koestler im Gefängnis Kontakt aufnehmen konnte.

Die meisten Opfer der Eroberung Malagas sind bis heute namenlos, sie wurden auf der Flucht auf der Straße nach Almería von Bomben getötet. Kurz zuvor, als sich abzeichnete, dass die aufständischen Truppen Francos zum Angriff übergehen würden, war Arthur Koestler in umgekehrter Richtung in die belagerte Hafenstadt gereist. Als Kriegsberichterstatter wollte er helfen, zu verhindern, dass es kein Zeugnis geben würde von der kommenden Katastrophe.

Wir mögen eine solche Entscheidung heldenhaft und todesmutig nennen. Doch nichts dergleichen beobachtete Koestler an sich und den anderen Ausharrenden. Er traf republikanische Kommandanten, die sich hilflos an ihre eigene Befehlsgewalt klammerten. Ein gelehrter Freund Koestlers, auf dessen Terrasse sie bei Cognac der Ankunft der Besatzer entgegensahen, fühlte sich mit einer tödlichen Dosis Morphium in der Tasche gewappnet und sorgte sich zugleich, dass die Spritze nicht steril sein könnte. Niemand, hielt Koestler fest, kann dem eigenen Tod ins Auge sehen. (Außer den Faschisten, musste er in einer letzten Episode ergänzen, die sind für,s Sterben gemacht, dafür ertragen sie es nicht, tot zu sein.)

Dass der Sturm auf Malaga vorüber war und der Wind sich gedreht hatte, merkte man in der Stadt vor allem an den neuen Fahnen, die aus den Häusern hingen.

Arthur Koestler wurde in das Gefängnis von Sevilla verbracht. Überhaupt an Schreibmaterial zu kommen, war ein Kampf, schreiben zu können für ihn existentieller Trost. Allnächtlich die Henker erwartend, beschämt von der eigenen Angst und Abhängigkeit von den Wärtern, einer Einsamkeit ausgeliefert, die sich zum Selbstekel steigerte und das Bewusstsein halluzinatorisch kreisen ließ, hielten seine notierten Selbstbeobachtungen und Gedanken Koestler bei Verstand.

Ein spanisches Testament ist das Vermächtnis einer politischen Niederlage, und, wie Koestler in dem für ihn bezeichnenden ironischen Tonfall schreibt, als „durchaus persönliche Angelegenheit“ eine Erhebung seiner, unserer Menschlichkeit.

Koestler, Arthur
Europa Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783958901803
18,90 € (inkl. MwSt.)
Kategorie:
Geschichte

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