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John Mair: Es gibt keine Wiederkehr

Es beginnt mit einem ganz gewöhnlichen Femizid. Eine Frau beendet eine Affäre, der Mann erwürgt sie im Affekt, kotzt und fühlt sich kühn und entwendet ihr Notizbuch. Was er nicht ahnt: Die Frau arbeitete als Spionin für eine hochgeheime Internationale Organisation umstürzlerischer Kräfte, die ihre Leute auch in den offiziellen Sicherheitsapparaten hat, und das Notizbuch enthält äußerst sensible chiffrierte Informationen. Das reicht, um eine Verfolgungsjagd ins Rollen zu bringen, in der sich der Mörder, der nicht weiß wie ihm geschieht, kaum auf den Beinen halten kann. 

Aufzugeben und sich zu stellen, wäre allerdings das Letzte, was ihm einfallen würde. Denn Desmond Thane, Lohnschreiber bei einem Londoner Boulevardblatt, ist ein talentierter Drückeberger, der im Beruflichen wie im Privaten von der Zuversicht lebt, dass es für ihn durchaus von Vorteil sein kann, wenn sich die Dinge zum Schlechteren wenden. Aus Feigheit startet Thane die dreistesten Attacken; mit Stegreif-Lügen, improvisiertem Theater und grober Gewalt windet er sich aus ausweglosen Situationen. Nicht selten schraubt er sich gleich in die nächste Bredouille hinein, aber es reicht, um seinen Verfolgern immer wieder auszubüxen. Nachdem Thane den Wert des Notizbuchs entdeckt hat, ist er nicht mehr nur der Gejagte, er beginnt, selbst an den Fäden der Organisation zu ziehen. 

Das Hasardspiel des Spionagethrillers, in dem hinter jeder Raffinesse, hinter jedem Schachzug ein weiterer zu vermuten ist, dem das Gegenmanöver zuvorkommen muss, treibt John Mair in schwindelerregende Höhen. 

Wie George Orwell in seiner Rezension des Thrillers 1941 treffend schrieb, erzählt Mair „im Geist der Burleske“, womit er beweise, „dass jener furchtbare politische Dschungel mit seinen Gruppierungen im Untergrund, mit Folter, Losungsworten, Denunziationen, gefälschten Pässen, kodierten Nachrichten etc. mittlerweile so sehr zum allgemeinen Wissensschatz gehört, dass er zum Stoff für ‚leichte‘ Literatur tauglich scheint.“ Orwell schien selbst eine so bizarre Fiktion wie Mairs Internationale Organisation, ein Verschwörerclub, zu dem sich mitunter von Hitler enttäuschte Gestapoangehörige, geschasste Bolschewiki und britische Oppositionelle zusammengetan haben, durchaus im Bereich des Möglichen. 

Bei aller Extravaganz der Story pflegt John Mair einen lässig akkuraten Stil und wartet mit einem Protagonisten auf, der in seiner Schäbigkeit seinesgleichen in der Kriminalliteratur sucht. 

Ein Klassiker des Polit-Thrillers
Einband: Paperback
EAN: 9783942788564
18,00 €inkl. MwSt.
Kategorie: Kriminalromane