Anne Boyer: Die Unsterblichen. Krankheit, Körper, Kapitalismus 

Anne Boyer hat aus ihrer Brustkrebserkrankung ein Buch gemacht, das eine Streitaxt ist. Sie reißt dem Brustkrebs die rosa Schleifchen ab, kritisiert die politische Onkologie und besteht darauf, dass, so persönlich und existentiell der Krebs ist, „über den Tode nachzudenken, heißt, über alle nachzudenken“. All die Überlebendengeschichten, die Trostliteratur und Ratgeber dröhnen über wesentliche Erfahrungen hinweg. Boyer schreibt über das, was ausgeblendet bleibt: über die unerträgliche Körperlichkeit des Körpers in der Klinik, über den Schmerz und die passiv-aggressiven Reaktionen der Mitmenschen auf das Leiden anderer, über Erschöpfungszustände, die den Krebs überleben, über fehlende Orte für öffentliches Weinen, über Krankenhausrechnungen und Geld.

An The Undying hat Anne Boyer Jahre gearbeitet und sich auseinandergesetzt mit dem, was Fanny Burney, Susan Sontag, Audrey Lorde, Kathy Acker und viele andere über den Krebs geschrieben haben. Sie sucht nach den Verbindungen zwischen dem Persönlichen und Politischen, wo keine Sprache zur Hand ist, wo schon das „Ich“ und der „Krebs“ im selben Satz eine ganze Ideologie des „Bewusstseins“ aufrufen. Die Anstrengungen, die nötig waren, um die richtige Form für Die Unsterblichen zu finden, sind nun in dieser selbst enthalten. Schon für dieses Kunststück hätte sie jeden Preis für feministische Essayistik verdient. 


Bibliographie
Tipp
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Die Unsterblichen
Anne Boyer
Die Unsterblichen
Krankheit, Körper, Kapitalismus
EAN: 978-3-7518-0316-8
Ein wütendes Manifest gegen den Umgang mit Krankheit, ausgezeichnet mit dem wichtigsten amerikanischen Literaturpreis. Eine Woche vor ihrem 41. Geburtstag wird der preisgekrönten Dichterin Anne Boyer ein hoch aggressiver Brustkrebs diagnostiziert. Für die alleinerziehende Mutter, die sich von Scheck zu Scheck hangelt, ist diese katastrophale Erkrankung ein Anstoß, Sterblichkeit und die Geschlechterpolitiken von Krankheit neu zu denken. Boyer beginnt, sich schreibend mit dem Krebs und dem gesellschaftlichen Umgang damit auseinanderzusetzen. 'Die Unsterblichen' ist zugleich erschütternder Bericht einer Überlebenden sowie eine groß angelegte Untersuchung von Krankheit im 21. Jahrhundert. Anne Boyer zieht antike Traumtagebücher zurate, analysiert die Kapitalisierung heutiger Gesundheitsversorgung, beschäftigt sich mit Verschwörungstheorien rund um Krebs, mit Schmerz und wie man über ihn sprechen kann, aber auch mit selbsternannten Doloristen, die den Schmerz befürworten, mit Krebsfetischisten und den Lügen großer Unternehmen; sie unterzieht John Donne einer erneuten Lektüre, erfährt, dass ihr Chemotherapie-Medikament vor über hundert Jahren als Senfgas in Produktion ging, und findet schließlich Antworten in der Literatur anderer Autorinnen, die über ihre Erkrankungen und den nahenden Tod geschrieben haben: Kathy Acker, Audre Lorde, Susan Sontag, Virginia Woolf. Alle Genregrenzen weit hinter sich lassend, hat Anne Boyer ein zutiefst berührendes und poetisches Buch über Krankheit im gegenwärtigen Kapitalismus geschrieben.

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