Alaa Al-Aswani: Der Automobilclub von Kairo

Starke Charaktere, spannende Cliffhanger und Sympathie mit den Schwachen und Entrechteten – was einige Rezensenten als „Telenovela-Stil“ moniert haben, finden wir gerade gut und unterhaltsam. Das Thema von Al-Aswanis jüngstem Roman – Herrschaft und Rebellion – ist nicht nur für seine ägyptische Leser*innenschaft hoch aktuell, wiewohl die Handlung in den späten 1940er Jahren spielt. Noch herrschen König und Engländer. Die Reichen und Mächtigen verlustieren sich im Automobilclub. Die Dienstboten wissen nicht, dass ihr Arm stark ist und das Rad stoppen könnte. Sie sind keine proletarischen Helden, sondern kleinmütige, eingeschüchterte Subalterne. „Der echte Diener ist ein Mitlaut, ein Konsonant: Er existiert zwar, aber er klingt nicht für sich allein“, so lautet einer der Grundsätze des Oberaufsehers Kô, der die Belegschaft grausam tyrannisiert. Der Lagerarbeiter Abdelasis überlebt eine der gefürchteten Prügelstrafen nicht. Seine Witwe und die Kinder sind verzweifelt und geraten überdies in finanzielle Not. Das Schulgeld ist zu teuer, so muss die einzige Tochter Sâhiha, begabt und ehrgeizig, die Schule und ihre Studienpläne aufgeben. Der älteste Bruder Saîd, ein Opportunist und Intrigant, drängt sie, einen wohlhabenden Widerling zu heiraten. Der kleine Bruder Machmûd, der viele Muskeln aber wenig Grips hat, verkauft sich an einsame ältere Damen; der dritte Bruder Kamîl, ein beflissener junger Student, übernimmt den Job seines Vaters im Automobilclub und schließt sich der Wafd-Partei an.

Schließlich kommt, was kommen muss: Die Dienstboten machen einen Aufstand. Man verschwört sich gegen Monarchie und Kolonialherrschaft, emanzipiert und verliebt sich ohne Rücksicht auf ethnische oder Klassenzugehörigkeit.

al-Aswani, Alaa
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783596190133
12,99 €
Kategorie:
Romane/Erzählungen