Marlene Streeruwitz: Yseut. Abenteuerroman in 37 Folgen.

Zwischen Chioggia und Ravenna lebte einst Lord Byron mit seiner Geliebten, und Antonioni drehte hier sein Männerdrama Der Schrei. Yseut hat Bargeld beiseite gelegt, eine Waffe gekauft, sich ins Auto gesetzt und in einem angestaubten fürstlichen Landhaus eingemietet. Sie möchte noch einmal, allein, die Schauplätze der Geschichten von Byron und Antonioni aufsuchen. Während sie über Schnellstraßen und Dämme brettert, reisen ihre Gedanken zurück zu den Stationen ihres eigenen Lebens. Von Wien nach Kalifornien und wieder zurück. Sie war mit falschen Vorstellungen aufgewachsen, vor allem von der Liebe, hatte vieles abbrechen und wieder neu anfangen müssen. Ein Leben, in dem sie sich hätte einrichten können, war das nicht. Aber eigentlich, so im Rückspiegel betrachtet, hatte sie es doch „gut gemacht. So gut wie möglich.“ Nach und nach wird eine Erzählung daraus. Und auf ihre Weise ist Yseut unglaublich präsent.

Das merkt auch der Mafioso Gio Gio, den sie am Abend ihrer Ankunft in Venetien in einer Pizzeria kennenlernt. Er ist nur das erste Abenteuer, in das Yseut hineinstolpert. Auch die Leserin fragt sich immer wieder: Wo sind wir denn jetzt hingeraten? In der verlassenen, sumpfigen Gegend, zwischen zerfallenden Bauernhöfen und aufgegebenen Shoppingmalls geschehen krasse Dinge. Es ist ein realistisch düsteres Panorama der Gegenwart, das Streeruwitz in Form teils irrwitziger, teils erschütternder kurzer Streifen und Szenen in ihrem jüngsten Roman entwirft: Rechtsradikale Politiker, Mafia und Polizei teilen die Herrschaft unter sich auf, Separatisten und andere Nazis terrorisieren Leute und machen Jagd auf illegalisierte Migrant*innen, an denen andere verdienen.

Oh ja, dies ist ein Abenteuerroman, mit Räubern und Pistolen! Atem anhalten, Luft holen, und weiter, wie Yseut.

Streeruwitz, Marlene
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783596036301
13,00 € (inkl. MwSt.)