Tillie Olsen: Ich steh hier und bügle

Bügelnd, betrunken, fiebernd, sterbend. Tillie Olsens Storys aus den 1950er Jahren handeln von gewöhnlichen Menschen in ebenso gewöhnlichen Zuständen der Entrückung, zwischen Tran und Trance. Rausch, Traum und Delirium erweitern das Erzählte und das Erzählbare, an ihnen bricht sich die Wirklichkeit und splittert auf. Olsen hat das Schreiben, ihr schmales, aber unglaublich kunstvolles Werk, wortwörtlich dem Leben abgerungen, einem Leben bestimmt von Geldmangel, Arbeit, politischer Aktivität, vielen geliebten Kindern und viel zu wenig Zeit.

In der ersten Story erinnert sich eine Mutter beim Bügeln an all die Umstände, die die Kindheit ihrer Tochter beschwert haben. Im Unterschied zu vertrauten elterlichen Litaneien tut sie es aber nicht im Modus des Selbstvorwurfs, sondern verteidigt ihr Kind: „Lasst sie in Ruhe. Alles, was in ihr stecken mag, wird also nicht erblühen. Aber bei wie vielen gelingt das schon?“

In Erzähl mir ein Rätsel entzweit sich ein Ehepaar auf seine späten Tage, weil er das Rentnerleben in einem Altenwohnprojekt genießen, sie aber ihre häusliche Einsamkeit gegen nichts anderes eintauschen will: „Nie wieder gezwungen sein, sich im Rhythmus der anderen zu bewegen“. Doch es soll der Frau nicht vergönnt sein. Ich kenne keine wahrhaftigere Erzählung über das, worüber man nicht spricht, über das Sterben.


Bibliographie
Tipp
book_2
Ich steh hier und bügle
Tillie Olsen
Ich steh hier und bügle
Storys
EAN: 978-3-351-03982-0
Eine Ikone der literarischen Selbstermächtigung Die Geschichten dieses Bandes verzahnen sich immer enger miteinander und gewähren sprachlich brillante Einblicke in die Welt der sozial Benachteiligten: Die Gedanken einer Mutter gleiten gequält mit dem Bügeleisen hin und her - was konnte sie ihrer halbwüchsigen Tochter bieten, was blieb dieser verwehrt? Lennie, Helen und ihre Kinder machen Platz für Whitey, einen gestrandeten Freund der Familie, doch er stellt ihre Geduld einmal mehr auf die Probe. Zwei Freundinnen, eine schwarz und eine weiß, merken, dass ihre Welten immer unvereinbarer scheinen. Ein Ehepaar streitet erbittert darüber, wie sie jetzt, wo Kindererziehung und Beruf hinter ihnen liegen, leben wollen, als sie eine fatale Diagnose ereilt. Die Geschichten verzahnen sich immer enger miteinander, wenn die Verbindungen der Protagonistinnen untereinander sichtbar werden. 'Weitaus treffender und kraftvoller als all das, was man als Realismus bezeichnet.' The New York Times 'Seit ich Ich steh hier und bügle vor vielen Jahren zum ersten Mal gelesen habe, hat mich die Geschichte nicht wieder losgelassen. Jetzt, da ich selbst Mutter bin, berührt sie mich sogar noch mehr.' Julia Wolf 'Vier Geschichten, die zusammenwachsen und zu einem kleinen Roman werden Tillie Olsen hat einen klaren Blick für Unrecht, für schwierige Verhältnisse, einen unerhört guten und sauberen Stil - es liest sich wunderbar. Sie sollten Tillie Olsen lesen!' Elke Heidenreich 'Bei Tillie Olsen gibt es kein Wort, das nicht an genau der richtigen Stelle sitzt.' Dorothy Parker 'Ich habe Tillie Olsens Story Erzähl mir ein Rätsel gelesen - und geweint. Und mich geschämt, dass meine eigene gedruckt wird. Sie ist ein Genie.' Anne Sexton Aufgenommen in die 'Best American Short Stories' und heute aktueller denn je. Neu übersetzt von Adelheid und Jürgen Dormagen.

Lieferbar innerhalb 24 Stunden

20,00 €