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ISBN/EAN: 978-3-351-03891-5
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
L'università di Rebibbia
Übersetzer:
Verena von Koskull
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
189 S.
Format (T/L/B):
2 x 22 x 13.5 cm

Hersteller:
Aufbau Verlage GmbH & Co. KG
produktsicherheit@aufbau-verlage.de
Prinzenstr. 85
DE 10969 Berlin


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Tage in Rebibbia

Gefängnistagebuch

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Unser Tipp für Sie

Zum Glück ließ sich Goliarda Sapienza nicht davon beirren, dass sie mit ihren literarischen Werken wenig Erfolg hatte. Dabei war die Tochter einer Frauenrechtlerin und eines marxistischen Anwalts, die bereits als junges Mädchen am antifaschistischen Partisanenkampf teilgenommen hatte, keine Unbekannte in der italienischen Kulturszene. Sie hatte an vielen neorealistischen Filmen mitgewirkt und verkehrte in den Kreisen von Pasolini, Visconti, Bertolucci, Moravia, Morante, etc.

Ihr imposanter und irritierender Großroman Die Kunst der Freude fand zu ihren Lebzeiten nicht einmal einen Verlag. Zehn Jahre hatte sie daran gearbeitet und war dabei verarmt. Deshalb stahl sie von einer Bekannten Schmuck, wurde erwischt und zu drei Monaten Haft verurteilt. Die verbüßte sie im römischen Frauenknast La Rebibbia, der Anfang der 1980er Jahre als Vorzeigeprojekt des modernen Strafvollzugs galt. Ihr Gefängnistagebuch ist der Erfahrungsbericht einer unkonventionellen, geistreichen Feministin, eine ebenso humorvolle wie scharfe Gesellschaftsanalyse und eine literarische Perle!

Der erste Eindruck, nachdem die Zellentür hinter Sapienza ins Schloss fällt, ist eine unnatürliche Stille. Sobald sie mit den anderen Gefangenen zusammengeschlossen worden ist, ist allerdings Schluss mit Alleinsein und erst recht mit der Stille. Die Gefängnismauern werfen die vielen Frauenstimmen zurück, in dem viel zu engen Raum schwellen sie zu einer tosenden Kakophonie an und steigern sich regelmäßig zu kollektiver Raserei. Eine Einzelne kann sich da kaum entziehen. Das zeitweilige Verschmelzen zu einer tobenden Masse macht die Gefangenen keineswegs gleich. „Der Klassenunterschied ist hier drin genauso unüberwindlich wie draußen. Das Gefängnis ist bekanntlich das Gespenst oder der Schatten der Gesellschaft, die ihn gebiert.“ Dass Sapienza wie die meisten anderen Gefangenen für ein ganz gewöhnliches Eigentumsdelikt verurteilt worden ist, ändert nichts daran, dass sie eine bürgerliche Linksintellektuelle ist, die bei ihrer Verhaftung eine seidene Hose trug. So wird sie bald von der Knast-Bohème adoptiert. Ihre Nähe zu den politischen Gefangenen zeigt sich mitunter in derselben ironisch distanzierten Haltung, die sie zu sich selbst einnimmt. Egal aus welchem Milieu sie kommen, Sapienza würdigt die einzigartigen Persönlichkeiten ihrer Mitgefangenen staunend, bisweilen spöttisch, dabei immer solidarisch und freundlich, manchmal beinahe zärtlich. Sie erzählt von deren Leidenschaften, Eigenarten und Schicksalen und ist sich stets bewusst, dass jeder Mensch geheimnisvoll bleibt, auch wenn ihm, wie im Knast, kaum noch Privatsphäre zugestanden wird.

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Beschreibung

Das ebenso offene wie bewegende Gefängnistagebuch einer mutigen Frau, die keine Kompromisse eingehen wollte und ihren Träumen gefolgt ist.  Um ihren Jahrhundertroman "Die Kunst der Freude" zu schreiben, gibt Goliarda Sapienza alles auf: Ihre Karriere als Schauspielerin in Film und Theater und alle anderen Schreibaufträge. Vollkommen verarmt, begeht sie einen Diebstahl, um zu überleben und weiterschreiben zu können. Sie wird verurteilt und kommt in ein römisches Frauengefängnis: Rebbibbia, das ihr zur Schule des Lebens wird.  Auf nicht einmal 200 Seiten nimmt uns Goliarda Sapienza mit hinter die dicksten Mauern des römischen Stadtteils Trastevere und eröffnet uns dort eine ganz eigene Welt. Was wir mit ihr dort erleben, ist so warmherzig und grauenhaft, so erschreckend und liebevoll und in seiner räumlichen Begrenzung so beeindruckend welthaltig, dass ich sicher bin, jetzt, da dieses Buch endlich auf Deutsch vorliegt, werden wir Goliarda Sapienza nie wieder vergessen. Maria-Christina Piwowarski

Über Goliarda Sapienza

Goliarda Sapienza (1924-1996), geboren in Catania, ist die Tochter zweier berühmter Vorkämpfer der sozialistischen Bewegung in Italien. Sehr freigeistig erzogen, geht sie sechzehnjährig nach Rom an die Schauspielschule, wird, wie ihre Eltern, von den Faschisten verfolgt, kämpft im Widerstand. Nach dem Krieg wird sie als Theaterschauspielerin gefeiert und spielt in Filmen wie Luchino Viscontis "Senso" mit. 1950 beginnt sie zu schreiben. Von 1967 bis 1976 arbeitet sie an ihrem großen Roman "Die Kunst der Freude", verarmt dabei vollkommen und begeht einen Diebstahl, der sie in das römische Frauengefängnis Rebibbia bringt. Ihre Erfahrungen dort hat sie in einem Tagebuch festgehalten, das posthum erstmals erschien. Verena von Koskull, geboren 1970, studierte Italienisch und Englisch sowie Kunstgeschichte in Berlin und Bologna. Nach Stationen in verschiedenen Verlagen arbeitet sie seit 2002 als freie Übersetzerin. Für ihre Übersetzungen aus dem Italienischen wurde sie unter anderem mit dem Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis und dem Jane Scatcherd-Preis ausgezeichnet.

Schlagzeile

Das ebenso offene wie bewegende Gefängnistagebuch einer mutigen Frau, die keine Kompromisse eingehen wollte und ihren Träumen gefolgt ist.