Details
Weitere Details
13.08.2025
Deutsch
398 S.
3.3 x 22 x 13.5 cm
Aufbau Verlage GmbH & Co. KG
produktsicherheit@aufbau-verlage.de
Prinzenstr. 85
DE 10969 Berlin
Lieferbar innerhalb 24 Stunden
Unser Tipp für Sie
Karen verlässt ihren Mann und die Stadt. Sie hat Jura studiert, schnell Karriere als Notarin gemacht, wurde die Frau eines streitbaren Historikers und Mutter einer fabelhaften Tochter. Jetzt, noch keine dreißig, packt sie der Schrecken über den Beziehungsalltag, der die Liebe verdrängt hat. Sie sieht ihr Leben ungenutzt verrinnen. Also nimmt sie ihren Koffer und ihr Kind und geht zurück in das Dorf ihrer Kindheit, weil dort eine Wohnung leersteht und weil es sie zu den offenen Fragen ihrer eigenen Geschichte zieht. Auf dem Land ist natürlich nichts beim Alten geblieben, gerade hält eine weitere Phase der Industrialisierung Einzug in der Landwirtschaft, Menschen verlieren ihre Existenz, gesellschaftliche Arrangements funktionieren nicht mehr. Karen kniet sich rein in das Leben auf dem Land und betreibt persönliche Feldforschung auf dem Kartoffelacker: Wohin könnte es von hier aus sinnvoll weitergehen? Die Geschichte könnte von heute sein, ein weiterer scharfsinniger, autofiktionaler Roman einer Frau. Doch dieser spielt in einer anderen Zeit und in einer anderen Gesellschaft: Karen W. ist 1974 in der DDR erschienen. Die Autorin Gerti Tetzner gehört in eine Reihe mit Christa Wolf, Brigitte Reimann und Maxi Wander. Was in der DDR in den 1970ern anders war, zeigt sich nicht nur in der Arbeitswelt, in der Universität oder der LPG. Auch im Privaten, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, den inneren und äußeren Konflikten der Menschen ist manches spürbar anders gelagert, als wir es heute gewohnt sind. Erfrischend anders ist das Selbstbewusstsein der Protagonistin: Es muss sich als feministisches gar nicht erklären, weil es die Gleichheit für selbstverständlich nimmt und eher mit Staunen die Selbstzurichtung und unfreiwillige Komik in den Geschlechterrollen beobachtet. Und bei der Schlüsselfrage – wie verhindern, dass einmal Erreichtes zu etwas wird, mit dem eine sich arrangiert hat, zu Umständen, denen sich die Ambitionen fügen? – geht es hier immer auch um das gesellschaftliche Ganze.