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ISBN/EAN: 978-3-95757-337-7
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
Die siebten größten Irrtümer über Frauen, die denken
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
236 S.
Format (T/L/B):
2.3 x 21.8 x 14.3 cm

Hersteller:
MSB Matthes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft mbH
Andreas Rötzer
info@matthes-seitz-berlin.de
Großbeerenstraße 57A
DE 10965 Berlin
https://www.matthes-seitz-berlin.de/

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Unser Tipp für Sie

Otto Weininger gebührt Respekt dafür, dass er wenigstens versucht hat, den allgemeinen und seinen besonderen Frauenhass nach den Regeln der Wissenschaft zu begründen. Diese Mühe haben sich andere Geistesgrößen nicht gemacht. Rousseau, Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche – um nur einige der zur Zeit Bekanntesten zu nennen – haben ihre misogynen Invektiven ebenso unsystematisch wie gleichmäßig in ihre Schriften gestreut. Für den Ausschluss von Frauen aus vier Jahrtausenden Geistesgeschichte haben sie auch keine plausibleren Argumente geliefert als beispielsweise ein Anders Behring Breivik. Die Libertas, die Justitia, Sapientia, die Sophia, die Prudentia, die sieben freien Künste, die Alma Mater, ja selbst „Frau Welt“ – weibliche Allegorien verkörpern die Institutionen der Vernunft und imposant in Stein gehauen hüten sie ihre Tore. Reale Frauen dürfen nicht hinein.

Um diese Aussperrung zu umgehen, wenden Frauen bis heute verschiedene Strategien an. Sie legen etwa übermäßigen Fleiß und Genie an den Tag. Das hilft meistens nicht – zumindest nicht den tüchtigen Frauen selbst, wie das Beispiel von Rosalind Franklin zeigt. 1953 entdeckte sie in ihrem Labor in Cambridge die DNA-Doppelhelix. Das Resultat ihrer Forschungsarbeit wurde ihr ganz schlicht von den beiden „Kollegen“ J. D. Watson und Francis Crick geklaut.

Eine andere Strategie ist es, die anmaßende Männerwelt zu verspotten wie es beispielsweise im 18. Jahrhundert Lady Montague in ihrer Zeitschrift „The Nonsense of Common Sense“ getan hat. Hedwig Dohms kampflustiges Gelächter über „Die Antifeministen“ – so der Titel ihrer Streitschrift aus dem Jahr 1902 – ist  noch heute ansteckend. Oder der erste der „pessimistischen Kardinalsätze“ von Helene von Druskowitz: „In der Anschauung vom Mann liegt der Schwerpunkt des Pessimismus. In der Niederkritisierung des Mannes liegt die einzig wahre und richtige Weltbeleuchtung.“ Ja, meine Herren, Sie dürfen sich angegriffen fühlen.

Schließlich behelfen sich viele denkende Frauen mit Pragmatismus wie z. B. crossdressing. Mir gefällt besonders das Beispiel der „Miss Grahn“, die den Reifrock gegen Hosen und Dreispitz vertauschte. Wer sie war, wusste niemand so genau, jedenfalls eine Deutsche von beachtlicher Körpergröße, die zu Zeiten George III. in London als „the bookseller“ bekannt war. Ihre Ware trug sie in einer Hucke auf dem Rücken, dazu einen gigantischen Regenschirm, um die Bücher vor dem Wetter zu schützen. Es heißt, sie habe sich gerne im Furnival's Inn Coffee House aufgehalten und unglaubliche Mengen von Fleisch und Bier verzehrt.
Beatrix Langner durchkreuzt in ihrem materialreichen Buch die Geschichte von männlicher Hybris und Frauenverachtung. Der Titel ihres „Forschungsberichts aus den Grenzzonen des sogenannt gesunden Menschenverstands“ ist selbst strategisch gewählt, subtiler Spott, an dem so mancher Rezensent scheitert – leider nicht selten auch das Verkaufsgespräch. Die Dummheit und Bosheit der Misogynie als „Irrtum“ zu bezeichnen ist freilich ein Euphemismus, und die Behauptung, dieses Unmaß an Niedertracht sei an nur zwei Händen abzählbar, ist eine lachhafte Untertreibung.

 

Der Ausschluss der Frauen aus der geistigen Produktionssphäre sowie das Problem weiblicher Geschichtslosigkeit beschäftigte auch Silvia Bovenschen in ihren frühen Büchern. Bis heute lieferbar und ausgesprochen lesenswert sind:

Silvia Bovenschen:
Die imaginierte Weiblichkeit

edition suhrkamp 2003, 280 Seiten, 16,00 Euro

Bovenschen/Becker/Brackert:
Aus der Zeit der Verzweiflung.
Zur Genese und Aktualität des Hexenbildes

edition suhrkamp 1977, 452 Seiten, 12,50 Euro

Beschreibung

Um sie wurden Kriege geführt, sie wurden besungen, bedichtet, für sie stürzt man sich in den Bankrott oder in den Tod: Seit jeher beherrschen Frauen die Gedankenwelt der Männer. Doch sobald sie selbst dachten, wurden sie der Welt verwiesen. Trotz Jahrzehnten der Emanzipation ist heute kaum etwas provozierender als Frauen, die denken und dieses Denken ganz unverblümt in Einfluss, gar Macht ummünzen wollen. Noch immer begegnet man denkenden Frauen verdammend oder idealisierend, immer aber exotisierend - oder sie gelten gleich als geschlechtslose Wesen. In ihrer scharfzüngigen kulturgeschichtlichen Tour d' Horizon erzählt Beatrix Langner die Geschichte der Aussperrung weiblicher Geisteskraft. Sie zeigt dabei aber auch, dass sich Frauen seit Jahr und Tag mit den heute erinnerten - ausschließlich männlichen - Denkern messen konnten, und stellt die unbequeme Frage, warum sie sich immer wieder mit der Rolle als Heilige, Muse oder Hure begnügten, sodass heute wie eh und je die Meinung herrscht: Männer schaffen Werke, Frauen arbeiten an sich.

Über Beatrix Langner

Beatrix Langner, 1950 geboren, ist promovierte Germanistin, Autorin und Literaturkritikerin und lebt in Berlin. Seit 1990 zahlreiche Rundfunk-Features und Kulturreportagen für DeutschlandRadio Berlin sowie Feuilletons und Kritiken für Süddeutsche Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, Deutschlandfunk Köln u.a. Sie veröffentlichte eine Biografie über Jean Paul (C. H. Beck), für die sie 2013 den Gleim-Literaturpreis erhielt, und ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

Schlagzeile

Warum Frauen nicht denken dürfen. Eine 2600-jährige Skandalgeschichte