Louise Michel: Memoiren. Erinnerungen einer Kommunardin

„Was! Sie kennen Louise Michel? Marsch, zu ihr ins Gefängnis; nur Anarchisten kann sie bekannt sein. Hat diese Elende nicht hundertmal erklärt, dass alle am Festmahl des Lebens teilhaben sollen? Woraus würde die Freude am Reichtum bestehen, wenn man sein Befinden als Vollgefressener nicht mehr mit dem der Hungerleider vergleichen könnte? Wo bliebe das angenehme Gefühl der Sicherheit, vergliche man nicht seine gute gediegene Stellung mit der Lage derer, die sich im Elend dahinschleppen? Und das ist auch noch eine Frau! Das ist der Gipfel!“ Diese ironischen Worte legt Louise Michel ihren staatstragenden Feinden in den Mund. Die Verurteilungen ihrer Person hat Michel zeitlebens mit Amüsement und Verachtung genommen, einer Verachtung, die jedweder Autorität ebenso galt wie der Unterwürfigkeit. Als Revolutionärin und Dichterin fühlte sie sich in ihrem Leiden, ihrem Hass und ihrem Glück eins mit der „Menge, in der jeder freie Mensch in das unermessliche Ganze gehört“, doch ganz und gar uneins mit den aufgehetzten und hetzenden Massen.

„Wie ein Mensch, der den Becher mit der Neige wegwirft“, so hat Louise Michel ihr Leben gelebt, in vollen Zügen. Als man sie während der Kämpfe der Pariser Commune zwang, die Barrikade zu verlassen und eine Pause einzulegen, setzte sie sich an die nächste Kirchenorgel, um den Höllenlärm der Versailler Artillerie nicht unerwidert zu lassen. Schon als Kind verfasste Michel romantische Gedichte und teuflische Opern. Ihre Gefängnisstrafen schildert Michel als „Ruhestunden“, und ihre Verbannung nach Neukaledonien (1873–1880) nutzte sie, um die Sprache der Kanak zu lernen, deren Aufstand zu unterstützen und die Botanik sturmgepeitschter Küsten zu studieren.

Was für ein Glück, dass von den vielen Büchern, die Louise Michel schrieb, aber nie herausbrachte, weil ihr dafür die Muße und die Verleger fehlten, diese im Zuchthaus verfassten Memoiren aus dem Jahr 1886 erhalten geblieben sind und jetzt neu aufgelegt wurden!


Bibliographie
Tipp
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Memoiren
Louise Michel
Memoiren
Erinnerungen einer Kommunardin, Klassiker der Sozialrevolte 27
EAN: 978-3-89771-925-5
Louise Michel wuchs relativ behütet im Haus ihres Großvaters väterlicherseits auf und wurde zunächst Lehrerin. 1853 ging sie nach Paris, wo sie aus Protest gegen den starken Einfluss der katholischen Kirche auf das Schulwesen 1866 eine eigene Schule gründete. Sie politisierte sich und engagierte sich für eine sozialistische Republik. Von März bis Mai 1871 war Michel eine der wichtigsten Aktivistinnen in der Pariser Kommune, die als erstes sozialistisches Gesellschaftsexperiment gelten kann. Nach der brutalen Niederschlagung der Kommune wurde Michel, der zwischenzeitlich der Beiname 'Rote Wölfin' gegeben wurde, inhaftiert und nach Neu-Kaledonien deportiert. Aus den Erfahrungen mit den teilweise autoritären Tendenzen der Kommune-Regierung zog sie den Schluss, dass jede Form der Herrschaft, selbst bei besten Absichten, letztlich in Gewalt und Diktatur abgleitet und bekannte sich zum Anarchismus. Nach einer Amnestie konnte Michel 1880 nach Frankreich zurückkehren und wurde eine gefragte revolutionär-anarchistische Rednerin, bis sie wegen ihrer Aktivitäten erneut verhaftet und 3 Jahre inhaftiert wurde. Kaum freigelassen, nahm sie ihre Vortragstätigkeit wieder auf. 1888 wurde sie in Le Havre bei einem Attentat schwer verletzt, doch weigerte sie sich, den Attentäter juristisch verfolgen zu lassen. 1890 wanderte Michel nach London aus, von wo aus sie weitergehende Kontakte zur internationalen anarchistischen Bewegung knüpfte. Bis an ihr Lebensende war sie als Vortragsrednerin in England, Belgien und Frankreich unterwegs. Bei ihrer Beerdigung 1905 sollen ihr 100.000 Trauergäste die letzte Ehre erwiesen haben.

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