Simon Raven: Fielding Gray. Almosen fürs Vergessen. Band 1

Im Elfenbein Verlag erscheint jetzt der autobiographisch gefärbte Romanzyklus Almosen fürs Vergessen von Simon Raven (1927–2001).

Der erste Band, Fielding Gray, spielt 1945 in einer englischen Public School für Jungen. Public Schools heißen so, weil sie für alle zugänglich sind, die sich die hohen Schulgebühren leisten können – beredter Ausdruck des Klassenbewusstseins, das hier gelehrt wird, mit seiner sehr speziellen Mischung aus Understatement und Zynismus. Man spricht enorm gewählt, und in jedem Gespräch wird unterschwellig die Stellung in der Hierarchie der Schule mitverhandelt. Was Wettbewerb nach allen Regeln der Kunst und was Ränkespiel ist, wer könnte das noch unterscheiden. Denn es zählt nur „Konformität, kein Glaube“, und die Arglosen haben Pech gehabt. Allein die Dialoge machen den Roman überaus thrilling zu lesen.

Fielding Gray, einziger Sohn aus ausgesprochen geizigem Elternhaus, ist ein aufgehender Stern am Schulhimmel. Er spielt gut Cricket, glänzt in Griechisch und Latein mit poetischen Übersetzungen und strebt einem Stipendium fürs College entgegen, wo er sich ganz seiner Leidenschaft für die Altphilologie hingeben will. Umgeben von Förderern, Freunden und Konkurrenten, begehrt Fielding und wird begehrt. Und er riskiert für sein homosexuelles Vergnügen mehr, als die bigotten Anstandsregeln erlauben. Von der geläuterten Lebenskunst seiner antiken Idole aber ist Fieldings Hedonismus weit entfernt. Er pendelt plump zwischen Anziehung und Abstoßung, macht aus Liebesversprechen schäbigsten Liebesverrat. Fieldings glücklicher Kurs gerät ins Schlingern, und Leser*innen, die ihm erlegen sind, in eine Achterbahn der Gefühle. Wunderbare Unterhaltung!

Raven, Simon
Elfenbein Verlag
ISBN/EAN: 9783961600137
22,00 € (inkl. MwSt.)