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ISBN/EAN: 978-3-96160-013-7
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
Fielding Gray
Übersetzer:
Sabine Franke
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
262 S.
Format (T/L/B):
2.2 x 21 x 13 cm

Hersteller:
Elfenbein Verlag
kontakt@elfenbein-verlag.de
Benediktinerstraße 57
DE 13465 Berlin


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Unser Tipp für Sie

Im Elfenbein Verlag erscheint jetzt der autobiographisch gefärbte Romanzyklus Almosen fürs Vergessen von Simon Raven (1927–2001).

Der erste Band, Fielding Gray, spielt 1945 in einer englischen Public School für Jungen. Public Schools heißen so, weil sie für alle zugänglich sind, die sich die hohen Schulgebühren leisten können – beredter Ausdruck des Klassenbewusstseins, das hier gelehrt wird, mit seiner sehr speziellen Mischung aus Understatement und Zynismus. Man spricht enorm gewählt, und in jedem Gespräch wird unterschwellig die Stellung in der Hierarchie der Schule mitverhandelt. Was Wettbewerb nach allen Regeln der Kunst und was Ränkespiel ist, wer könnte das noch unterscheiden. Denn es zählt nur „Konformität, kein Glaube“, und die Arglosen haben Pech gehabt. Allein die Dialoge machen den Roman überaus thrilling zu lesen.

Fielding Gray, einziger Sohn aus ausgesprochen geizigem Elternhaus, ist ein aufgehender Stern am Schulhimmel. Er spielt gut Cricket, glänzt in Griechisch und Latein mit poetischen Übersetzungen und strebt einem Stipendium fürs College entgegen, wo er sich ganz seiner Leidenschaft für die Altphilologie hingeben will. Umgeben von Förderern, Freunden und Konkurrenten, begehrt Fielding und wird begehrt. Und er riskiert für sein homosexuelles Vergnügen mehr, als die bigotten Anstandsregeln erlauben. Von der geläuterten Lebenskunst seiner antiken Idole aber ist Fieldings Hedonismus weit entfernt. Er pendelt plump zwischen Anziehung und Abstoßung, macht aus Liebesversprechen schäbigsten Liebesverrat. Fieldings glücklicher Kurs gerät ins Schlingern, und Leser*innen, die ihm erlegen sind, in eine Achterbahn der Gefühle. Wunderbare Unterhaltung!

Beschreibung

Fielding Gray ist der strahlende Star der Schule. Brillant in Latein und Griechisch, glänzt er auch beim Cricket und vermag es, alle mit seiner Attraktivität, seiner Eloquenz und einem charmanten Hang zum Draufgängertum für sich einzunehmen. Kurz bevor er 1945 sein letztes Schuljahr antritt, verliebt er sich in den zurückhaltenden blonden Christopher, an dem ihn vor allem dessen Unschuld fasziniert. Obwohl sein bester Freund vor einem möglichen Skandal warnt und ihn ein Konkurrent um die Position des Schulkapitäns offensichtlich genau im Blick behält, bahnt sich eine Tragödie an und auch außerhalb der Schule gerät Fielding Grays verheißungsvolle Zukunft ins Wanken. Fielding Gray ist ein berührender Roman über Freundschaft und enttäuschte Erwartungen, Begehrlichkeit und schicksalhaftes Scheitern, manipulative Machenschaften und Schuld.

Über Simon Raven

Simon Raven (1927-2001) besuchte als Spross einer Strumpffabrikantenfamilie die elitäre Charterhouse School, von der er 1945 wegen homosexueller Handlungen relegiert wurde. Unter seinen Mitschülern waren u. a. James Prior (später Minister im Kabinett von Margaret Thatcher) sowie der spätere Herausgeber der Times, William Rees-Mogg (dessen Sohn Jacob heute dem Kabinett von Boris Johnson angehört). Beide hat er in der Romanreihe Almosen fürs Vergessen literarisch verewigt. Nach seinem Militärdienst, den Raven als Offiziersanwärter in Indien ableistete, studierte er ab 1948 am Kings College in Cambridge Altphilologie. Er wurde Vater eines Sohnes und heiratete widerwillig. In finanzielle Schwierigkeiten geraten, trat er erneut in die Armee ein, wurde in Deutschland und in Kenia stationiert, quittierte den Dienst aber schließlich, um eine unehrenhafte Entlassung wegen Wettschulden abzuwenden. Fortan widmete er sich der Schriftstellerei und arbeitete als Literaturkritiker, bis ihn der Verleger Anthony Blond 1958 unter der Bedingung, mindestens 50 Meilen von Londons Vergnügungsstätten entfernt zu wohnen, unter Vertrag nahm ein Arrangement, das drei Jahrzehnte währen sollte. Ein ausschweifender Lebenswandel, kühne Meinungen, seine offen ausgelebte Bisexualität und die Tatsache, dass er das Material für seine Bücher aus dem unmittelbaren Freundeskreis gewann und mit freizügigen Sexszenen und scharfzüngigen Urteilen über die Gesellschaft kombinierte, verschafften ihm einen Ruf als Schandmaul unter den englischen Nachkriegsautoren. Zeitgenossen schmähten ihn als Verfasser des wohl schmutzigsten Cricketbuchs aller Zeiten, und sein Roman Fielding Gray verdiene eigentlich den Namen Brideshead Revilified. Zur gleichen Zeit wurde er von namhaften Kollegen wie etwa Anthony Powell nicht nur als Literaturkritiker, sondern auch als Literat geschätzt. Sein 10-bändiger Romanzyklus Alms for Oblivion (1964-1976) wird heute mit dem Werk von Lawrence Durrell, Graham Greene, Anthony Powell und Evelyn Waugh verglichen und Raven als einer der brillantesten Romanciers seiner Generation bewertet (Patrick Newley). Einem größeren Publikum bekannt geworden war Raven allerdings zunächst durch Arbeiten fürs Fernsehen, wie die Verfilmung von Trollopes The Pallisers (1974) und die Serie Edward and Mrs. Simpson (1978), sowie die Mitarbeit am Drehbuch für den James-Bond-Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969). Dem Vorwurf, ein Snob zu sein, begegnete er mit dem Hinweis, er schreibe für Leute, die sind wie ich: gebildet, weltgewandt und skeptisch.

Leseprobe

Am zweiten Sonntag nachdem der Krieg in Europa zu Ende war, wurde in der Schulkapelle ein Gottesdienst zum Gedenken an die Toten abgehalten. So viele Ehemalige, wie man in der kurzen Zeit erreichen konnte, waren darüber informiert worden, und die Sitzbänke für Besucher quollen über von Uniformen. Während wir abgetragene graue Flanellhosen und ausgebesserte Tweedjacken anhatten, waren Englands siegreiche Kämpfer mit allen nur denkbaren Farben und Effekten ausstaffiert. Da waren die schwarz-goldenen Kopfbedeckungen der Gardedivision, die dunkelgrünen Schiffchen des Schützenregiments, um die Hüften der Highlander waren Kilts geschwungen und die Mitglieder der berittenen Artillerie über und über mit Kugelknöpfen bedeckt; es gab groteske Uniformaufschläge und seltsam geknotete Achselschnüre; vereinzelt waren sogar Stiefel mit Sporen zu sehen. [.] Zunächst verlief der Gottesdienst im Einklang mit diesem prächtigen Dekor. Ein innig gesungenes Jerusalem, dessen politische Implikationen den meisten Anwesenden entgingen, sorgte für ein wohlgefälliges Gefühl des Triumphs, und die Stelle aus den Apokryphen, die sie bei solchen Gelegenheiten immer wählen, ließ uns, auch wenn sie dem gemeinen Fußvolk angemessen Tribut zollt, keinen Zweifel, dass materieller Wohlstand und ein traditionelles Herrschaftsverständnis das waren, worauf es letztlich ankam. Ich selbst saß in der Abteilung für die Oberstufenschüler, von wo aus man einen guten Blick auf die Besucher hatte, und ich konnte sehen, dass sich die prachtvollen Offiziere zu diesem Zeitpunkt unverhohlen zurechtmachten, als wäre die ganze Veranstaltung dazu da, ihnen zu huldigen. Tatsächlich zeigten sich, als die Verdienste der Toten gewürdigt wurden (ein Prozedere, das einige Zeit in Anspruch nahm), unmissverständliche Anzeichen von Langeweile und Missfallen, es wurde ausgiebig an Gehstöcken und Pferdepeitschen herumgespielt und viel an den Sam-Browne-Gurten herumgefummelt; die Krieger waren, wie es schien, nicht hier versammelt, um sich lang und breit die Errungenschaften anderer anzuhören. [.] Ich verschloss meine Ohren gegen die aufreibende Deklamation der Sterblichkeit und dachte darüber nach, dass meine eigene Geisteshaltung, auch wenn sie vielleicht weniger abschätzig war als die der hier versammelten Großtuer, dennoch ganz ähnlich und im Grunde genauso egozentrisch war. [.] Denn das einzige Gefühl, dessen ich mir an diesem schönen Sommerabend im ersten Mai der Friedenszeit wirklich bewusst war, war Erleichterung: Erleichterung, dass niemand vorhatte, mich zu töten, dass ich jetzt ungehindert in eine Zukunft eintreten konnte, die mir sowohl Vergnügen versprach als auch die Möglichkeit, mich hervorzutun.