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ISBN/EAN: 978-3-351-03932-5
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
L'arte della gioia
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
735 S.
Format (T/L/B):
4.9 x 22 x 13.7 cm

Hersteller:
Aufbau Verlage GmbH & Co. KG
produktsicherheit@aufbau-verlage.de
Prinzenstr. 85
DE 10969 Berlin


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Unser Tipp für Sie

Zum Glück ließ sich Goliarda Sapienza nicht davon beirren, dass sie mit ihren literarischen Werken wenig Erfolg hatte. Dabei war die Tochter einer Frauenrechtlerin und eines marxistischen Anwalts, die bereits als junges Mädchen am antifaschistischen Partisanenkampf teilgenommen hatte, keine Unbekannte in der italienischen Kulturszene. Sie hatte an vielen neorealistischen Filmen mitgewirkt und verkehrte in den Kreisen von Pasolini, Visconti, Bertolucci, Moravia, Morante, etc.

Ihr imposanter und irritierender Großroman Die Kunst der Freude fand zu ihren Lebzeiten nicht einmal einen Verlag. Zehn Jahre hatte sie daran gearbeitet und war dabei verarmt. Deshalb stahl sie von einer Bekannten Schmuck, wurde erwischt und zu drei Monaten Haft verurteilt. Die verbüßte sie im römischen Frauenknast La Rebibbia, der Anfang der 1980er Jahre als Vorzeigeprojekt des modernen Strafvollzugs galt. Ihr Gefängnistagebuch ist der Erfahrungsbericht einer unkonventionellen, geistreichen Feministin, eine ebenso humorvolle wie scharfe Gesellschaftsanalyse und eine literarische Perle!

Der erste Eindruck, nachdem die Zellentür hinter Sapienza ins Schloss fällt, ist eine unnatürliche Stille. Sobald sie mit den anderen Gefangenen zusammengeschlossen worden ist, ist allerdings Schluss mit Alleinsein und erst recht mit der Stille. Die Gefängnismauern werfen die vielen Frauenstimmen zurück, in dem viel zu engen Raum schwellen sie zu einer tosenden Kakophonie an und steigern sich regelmäßig zu kollektiver Raserei. Eine Einzelne kann sich da kaum entziehen. Das zeitweilige Verschmelzen zu einer tobenden Masse macht die Gefangenen keineswegs gleich. „Der Klassenunterschied ist hier drin genauso unüberwindlich wie draußen. Das Gefängnis ist bekanntlich das Gespenst oder der Schatten der Gesellschaft, die ihn gebiert.“ Dass Sapienza wie die meisten anderen Gefangenen für ein ganz gewöhnliches Eigentumsdelikt verurteilt worden ist, ändert nichts daran, dass sie eine bürgerliche Linksintellektuelle ist, die bei ihrer Verhaftung eine seidene Hose trug. So wird sie bald von der Knast-Bohème adoptiert. Ihre Nähe zu den politischen Gefangenen zeigt sich mitunter in derselben ironisch distanzierten Haltung, die sie zu sich selbst einnimmt. Egal aus welchem Milieu sie kommen, Sapienza würdigt die einzigartigen Persönlichkeiten ihrer Mitgefangenen staunend, bisweilen spöttisch, dabei immer solidarisch und freundlich, manchmal beinahe zärtlich. Sie erzählt von deren Leidenschaften, Eigenarten und Schicksalen und ist sich stets bewusst, dass jeder Mensch geheimnisvoll bleibt, auch wenn ihm, wie im Knast, kaum noch Privatsphäre zugestanden wird.

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Beschreibung

'Warum nur reden wir nicht dauernd und seit Jahren über Goliarda Sapienza?' Antonia Baum  Die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts aus der Perspektive einer außergewöhnlichen Frau: Modesta ist eine Sizilianerin, die nach Leben dürstet und für ihre Unabhängigkeit kämpft. Sie erlebt das zwanzigste Jahrhundert auf der Suche nach persönlichem Glück und Erfüllung - gegen alle Widerstände. Als großzügige Freundin, liebende Mutter und leidenschaftliche Liebhaberin begegnet sie dem Leben mit der inneren Größe, die den Heldinnen und Helden der Weltliteratur eigen ist.  'Mehr noch als ein literarisches Ereignis ist dieser Roman ein existenzielles Ereignis.' Le Nouvel Observateur  'Goliarda Sapienzas Waisenkind Modesta ist die ultimative Heldin des zwanzigsten Jahrhunderts.' Chris Kraus *** Dieses Buch ist bereits unter dem Titel 'Die Unvorhersehbarkeit der Liebe' erschienen. ***

Über Goliarda Sapienza

Goliarda Sapienza (1924-1996), geboren in Catania, ist die Tochter zweier berühmter Vorkämpfer der sozialistischen Bewegung in Italien. Sehr freigeistig erzogen, geht sie sechzehnjährig nach Rom an die Schauspielschule, wird, wie ihre Eltern, von den Faschisten verfolgt, kämpft im Widerstand. Nach dem Krieg wird sie als Theaterschauspielerin gefeiert und spielt in Filmen wie Luchino Viscontis "Senso" mit. 1950 beginnt sie zu schreiben. Von 1967 bis 1976 arbeitet sie an ihrem großen Roman "Die Kunst der Freude", verarmt dabei vollkommen und begeht einen Diebstahl, der sie in das römische Frauengefängnis Rebibbia bringt. Ihre Erfahrungen dort hat sie in einem Tagebuch festgehalten, das posthum erstmals erschien. Esther Hansen, diplomierte Übersetzerin, übertrug unter anderen Daria Bignardi, Nino Filastò, Marcello Fois, Francesca Melandri, Goliarda Sapienza, Susanna Tamaro und Carmine Abate ins Deutsche. 2008 wurde sie mit dem Förderpreis des Deutsch-Italienischen Übersetzerpreises ausgezeichnet. Constanze Neumann, geboren in Leipzig, hat mehrere Jahre auf Sizilien gelebt und unter anderen Valeria Parrella, Andrej Longo und Simona Vinci aus dem Italienischen übersetzt. Antonia Baum ist Journalistin und Schriftstellerin. Zuletzt erschienen von ihr Stilleben (2018) und ein Buch über Eminem (2020).

Schlagzeile

'Mehr noch als ein literarisches Ereignis ist dieser Roman ein existenzielles Ereignis.' Le Nouvel Observateur