Michael Schwaiger: "Hinter der Fassade der Wirklichkeit". Leben und Werk von Leo Lania

Leo Lania war erst sozialistischer, dann kommunistischer, später basisdemokratischer Aktivist. Er befasste sich mit den avanciertesten literarischen und journalistischen Formen, arbeitete mit Rundfunk und Film, mit Brecht, Piscator und W. G. Pabst, um nur einige zu nennen. Berühmt wurde er für seine Reportagebücher z.B. über den Hitler-Ludendorff-Prozess. „Muckrakers“ (Schmutzaufwirbler) wie Upton Sinclair waren sein Vorbild. Getarnt als italienischer Faschist schmuggelte er sich in die Redaktion des „Völkischen Beobachters“ ein; diese mutige Antifa-Recherche machte ihn zu einem der verhasstesten Figuren für die Nazis.

Im us-amerikanischen Exil scheint es Lania ganz gut ergangen zu sein. Er landete noch einige Bestseller, z. B. mit dem Bericht über seine dramatische Flucht aus Frankreich oder einem Roman über den ungeklärten Tod des tschechoslowakischen Außenministers Jan Masaryk. Außerdem unterstützte Lania die New-Deal-Politik von Roosevelt und trat erfolgreich als „speaker“ auf. Ohne seine kommunistische Vergangenheit zu verleugnen, verurteilte er den Stalinismus scharf. Viele linke Intellektuelle seiner Generation wurden als „Renegaten“ verunglimpft, manche vom Antikommunismus vereinnahmt, einige von Antiautoritären wiederentdeckt. Leo Lania aber ist heute weitgehend vergessen. Die gerade erschienene Biographie von Michel Schwaiger ruft diese für die Weimarer Moderne so zentrale Gestalt in Erinnerung.


Bibliographie
Tipp
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'Hinter der Fassade der Wirklichkeit'
Michael Schwaiger
'Hinter der Fassade der Wirklichkeit'
Leben und Werk von Leo Lania
EAN: 978-3-85476-545-5
'Hinter der Fassade der Wirklichkeit' lautete das Motto des Journalisten und Schriftstellers Leo Lania (1896 - 1961). Zeitlebens war es sein Anliegen, unter die Oberfläche der sozialen Wirklichkeit zu dringen und deren Ursachen aufzudecken und zu analysieren. Das Buch rekonstruiert erstmals auch anhand des umfangreichen und unveröffentlichten Materials im amerikanischen Nachlass das Leben und Werk eines in Vergessenheit geratenen, aber dennoch essentiellen Protagonisten des politischen und kulturellen Lebens der Weimarer Republik. Politisiert durch seine Erfahrungen als Soldat im Ersten Weltkrieg schloss sich Lania 1919 den österreichischen Kommunisten an und wurde zum Mitbegründer der Wiener 'Roten Fahne'. Nach seinem Bruch mit der kommunistischen Partei 1921 zog er nach Berlin, wo er sich u.a. durch seine Undercover-Recherchen bei Hitler rasch als einer der maßgeblichen Reporter der Weimarer Republik etablierte. Als Dramaturg lieferte er wesentliche Beiträge zum 'politischen Theater' Erwin Piscators, als Geschäftsführer des 'Volksfilmverbandes' schuf er eine der ersten deutschen Filmreportagen, auf Wunsch von Bertolt Brecht schrieb er 1931 das Drehbuch zur Dreigroschenoper. Im amerikanischen Exil engagierte sich Lania für eine basisdemokratische Gesellschaft, im Kalten Krieg opponierte er als intellektueller Querdenker. Noch kurz vor seinem Tod schrieb er 1959 als Ghostwriter eine Autobiografie für Willy Brandt.

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