Ron Leshem: Feuer. Israel und der 7. Oktober

Feuer offeriert mehr Kontext zum Terrorangriff der Hamas am7. Oktober 2023 und zur Lage in Israel vorher und nachher, als von einem einzelnen Buch zu erhoffen ist. Mehr Kontext bedeutet hier: mehr Fakten, mehr offene Probleme, mehr Schmerz – also das Gegenteil jener Relativierungen, die vorgeben, auf den Kontext zu schauen, doch eigentlich vor allem auf die Wirkung eines »Ja, aber« bauen.

Damit dieses Buch im Frühjahr erscheinen konnte, brauchte es ein ganzes Rechercheteam. Und es brauchte diesen Autor. Ron Leshem gehört zu jenen Menschen, die am 7. Oktober im Lifestream Tausende Videos verfolgten, während sie Hilferufe und letzte Nachrichten von nahen Verwandten erhielten. In dem Kapitel Am Abgrund schildert er die Ermordung seines Cousins Itai in Geiselhaft und ein Gespräch mit einer Freundin in Gaza. Er will das Töten und die Verzweiflung von Menschen in Gaza nicht ausblenden. Leshem ist ein Ex-Geheimdienstoffizier, der die Besatzungspolitik der israelischen Regierung kritisiert. Er beklagt die Marginalisierung der Friedensbewegung und macht den Aufstieg des nationalreligiösen Lagers für die politische Spaltung im Land verantwortlich.

Netanjahu dachte, er hätte die Hamas als nützlichen Feind im Griff, und zog es in seinem zynischen Hochmut vor, an deren Bestechlichkeit zu glauben, anstatt auf die Warnungen der Analyst:innen und Aufklärer:innen zu hören.

Unter der Führung von Sinwar und Deif hat die Hamas den Terrorangriff als Auftakt zu einem Mehrfrontenkrieg, in dem Israel vernichtet werden soll, seit vielen Jahren politisch und militärisch vorbereitet. Wie, lässt sich hier im Detail nachlesen.

Ein Kapitel protokolliert den Ablauf des 7. Oktobers in einzelnen Handlungen, den Horror im Minutentakt nachzeichnend.

Zur Kriegsstrategie der Hamas gehören die manipulative Instrumentierung von Gräuelbildern und Gräuelleugnung, ein perfides PR-Spektakel mit erschreckendem Erfolg – auch bei »werteorientierten Linken« in Leshems eigenem US-amerikanischen Umfeld. Feuer ist nicht zuletzt eine Auseinandersetzung mit denen, die sich »mit einem romantischen Verhältnis zur Gewalt« in die Internationale der Israelhasser einreihen.