Shulamit Lapid: Lokalausgabe. Lisi Badichis erster Fall
‚Singuläre Frauen‘ sind sie alle, die Heldinnen unserer Lieblingskrimis von Sara Paretsky, Liza Cody, Monika Geier, Mercedes Rosende, Hannelore Cayre und anderen. Sie leben aus guten Gründen meistens allein. Sie sind nicht weniger abgebrüht und getrieben als ihre männlichen Pendants, aber man bekommt eher mit wovon. Mehr Innenleben haben sie allemal. Und was eventuelle Schrullen anbelangt: Ohne ihren unkonventionellen Stil kämen sie definitiv schlechter zurecht. Die israelische Autorin Shulamit Lapid hat mit Lisi Badichi 1989 ein Original der feministischen Krimiheldin geschaffen.
Für ihre Ende zwanzig hat sich Lisi Badichi schon eine ziemlich gute Position als Reporterin bei einer Lokalzeitung in Be'er Scheva erarbeitet. Sie ist bestens vernetzt und immer als Erste zur Stelle, wenn irgendwo etwas los ist in der Provinzmetropole. Bevor sie das Haus verlässt, steckt sie sich stets ihre übergroßen Plastikohrringe an. Die helfen, den Kopf hoch zu halten und darüber hinweg zu sehen, dass alle sie für eine Kuh halten, weil ihr Körper nicht den für Frauen vorgesehenen Konfektionsnormen entspricht. Lisi fehlt kein Mann an der Seite, auch keiner zum Wechseln, doch es juckt sie, dass sie ihr erstes Mal noch nicht hinter sich gebracht hat. Auf einer Party der lokalen High Socie-ty ergibt sich die Gelegenheit, und damit ließe sich die Nacht abhaken, wäre nicht die Gastgeberin der Party tot am Pool aufgefunden worden. Schon um ihren Ruf zu wahren, muss Lisi versuchen, den Mörder schneller zu finden, als die Polizei ermittelt. Und die journalistische Konkurrenz schläft ebenfalls nicht: Diese Story muss ihre Story werden.
Ein schöner, von lakonischem Humor getragener Whodunit aus Zeiten, in denen Gespräche, Zeitungen und Telefone noch das Internet ersetzten.