Maria Lazar: Leben verboten

Originalfassung von 1932 

»Lebensversicherung« ist so ein Wort wie »Arbeitgeber«: Es bringt die verdrehten Verhältnisse auf den Punkt. Eine Lebensversicherung enthält das Versprechen, mit einem Mal alle Sorgen los zu sein, unterschlägt aber, dass sie nur eine Lösung für die Nöte anderer ist und man selbst aus dem Leben zu verschwinden hat. Für jemanden, der kurz vor dem Ruin steht, kann allerdings selbst Letzteres zu einer verheißungsvollen Aussicht werden.

In Leben verboten sieht sich der gebeutelte Berliner Bankier Ernst von Fuhrmann dank seiner Lebensversicherung unverhofft von allen Verpflichtungen gegenüber seiner maroden Firma und seiner Ehefrau entbunden, als das Flugzeug abstürzt, in dem er hätte sitzen sollen, und niemand weiß, dass er nicht drin war. Doch wie und wohin verschwindet man, wenn man noch lebt? Ohne eine ausweisbare Identität ist es gar nicht einfach,unsichtbar zu werden. Der Ex-Bourgeois Fuhrmann erfährt, wie exponiert er als Niemand ist, selbst in der Anonymität der Stadt, selbst im Abteil dritter Klasse, das ihn von Berlin nach Wien bringt. Und wo ihm Hilfe zuteil wird, nimmt man ihn zugleich in Beschlag. Sein Unterschlupf als Untermieter bei einer verarmten Wiener Hofrats-Familie wird quasi zum Arrest: Hier haften sich Begehrlichkeiten und Sehnsüchte an ihn, andere machen ihre Pläne mit ihm. Die mit den Plänen sind in Maria Lazars Roman von 1932 die Nazis.

Leben verboten ist ein Versteckspiel mit Krimiqualitäten, lakonisch und zugleich kühn erzählt mit vielen Szenen- und Perspektivenwechseln. Leben verboten ist aber auch eine gesellschaftliche Momentaufnahme aus der Zeit, in der die »Welt der Kolportage« dabei ist, die Wirklichkeit einzuholen.


Bibliographie