„Ja heißt Ja? Feministische Debatten um einvernehmlichen Sex“ Gespräch mit Rona Torenz

Weil es nicht immer allen möglich ist, «Nein» zu sagen, ist aus der feministischen Losung «Nein heißt Nein» die Forderung nach «Ja heißt Ja» entstanden. Demnach ist die ausdrückliche Zustimmung aller Beteiligten notwendig, damit Sex als einvernehmlich gilt. So wird die Verantwortung für sexuelle Gewalt verlagert: Weg von jenen, die nicht (klar genug) «Nein» sagen hin zu jenen, die nicht das nötige «Ja» bekommen. Aus der Perspektive sexueller Selbstbestimmung erscheint das zunächst plausibel. Die Autorin des Buches „Ja heißt Ja? Feministische Debatten um einvernehmlichen Sex“ sieht das Konzept dennoch kritisch. Ihre wesentliche These: Die Fokussierung auf ausdrückliches Einverständnis als Hebel zur Verhinderung sexualisierter Gewalt unterschätzt die Verinnerlichung sexueller Machtverhältnisse. «Ja heißt Ja» kann somit heteronormative Strukturen stabilisieren und wenig zu einer Veränderung hegemonialer Sexualkultur beitragen. Was heißt das für unseren Kampf gegen sexuelle Gewalt?

Veranstalter*in: Emanzipative & Antifaschistische Gruppe [EAG] in Kooperation mit dem Buchladen zur Schwankenden Weltkugel und dem Café Morgenrot.  Die Veranstaltung findet im Rahmen der Mobilisierung gegen den christlich-fundamentalistischen „Marsch für das Leben“ statt. Nach dem Gespräch wird es noch Informationen zu den Gegenprotesten geben.

calendar_clock Datum & Zeit
26.08.2019 19:00
-
21:00 Uhr
book_2
Ja heißt Ja?
Rona Torenz
Ja heißt Ja?
Feministische Debatten um einvernehmlichen Sex, Black books
EAN: 978-3-89657-035-2
In der Neuauflage des kompakten Theorie-Bandes diskutiert Rona Torenz u.a. die Frage, ob es sinnvoll ist, 'Ja heißt Ja' im Strafrecht zu verankern, wie z.B. zuletzt in Spanien geschehen. 'Ja heißt Ja?' liefert einen wichtigen Beitrag zur Neuformulierung feministischer Strategien gegen sexualisierte Gewalt.Das Buch beleuchtetdie Grundlagen der aktuellen Debatten um sexuelle Zustimmung bekannt unter 'Ja heißt Ja' oder 'Konsensprinzip' und unterzieht diese einer kritischen Analyse. Feministinnen kämpfen seit den 1970er Jahren unter dem Motto 'Nein heißt Nein' für sexuelle Selbstbestimmung und gegen 'Gewalt gegen Frauen'. Es geht dabei um nichts Geringeres als die Anerkennung von Frauen als (vollwertige) sexuelle Subjekte: Die politische Losung 'Nein heißt Nein' verlangt, das 'Nein' von Frauen ernst zu nehmen. Aus der Erkenntnis heraus, dass es nicht immer allen gleich möglich ist, 'Nein' zu sagen, ist die feministische Forderung nach 'Ja heißt Ja' entstanden. Nur weil kein 'Nein' formuliert wurde, ist Sex demnach noch nicht als einvernehmlich zu betrachten. Vielmehr ist die ausdrückliche Zustimmung aller Beteiligten notwendig. Damit soll gleichzeitig die Verantwortung für sexuelle Gewalt verlagert werden: Weg von jenen, die nicht (klar genug) 'Nein' sagen hin zu jenen, die nicht das nötige 'Ja' abwarten. Aus einer feministischen Perspektive erscheint dies zunächst plausibel. Rona Torenz fragt nach den stillschweigenden Voraussetzungen der feministischen Debatten um sexuelle Zustimmung und begreift ihre Effekte als ambivalent. Im Zuge der Verinnerlichung sexueller Machtverhältnisse im Kontext der allgemeinen (Neo-)Liberalisierung greift 'Ja heißt Ja' zu kurz. Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass 'Ja heißt Ja' gesellschaftliche Machtverhältnisse, speziell heteronormative Geschlechterverhältnisse, unterschätzt. Auf Grundlage der formulierten Kritik gibt Rona Torenz einen Ausblick auf die Weiterentwicklung feministischer Analysen sexueller Machtverhältnisse.

Nachfragen

18,80 €