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ISBN/EAN: 978-3-7518-0623-7
Einband: kartoniertes Buch
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Übersetzer:
Christiane Körner
Auflage:
1. Auflage 2022
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
114 S.
Format (T/L/B):
1 x 18 x 12.3 cm

Hersteller:
Friedenauer Presse
Andreas Rötzer
info@matthes-seitz-berlin.de
Großbeerenstraße 57A
DE 10965 Berlin
https://www.matthes-seitz-berlin.de/friedenauer-presse.html

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Erinnerungen an die Blockade

Mai 1941-Februar 1942, Friedenauer Presse Wolffs Broschur

18,00 €

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Unser Tipp für Sie

Pawel Salzmans Erinnerungen an die Blockade Leningrads beginnen mit der Schilderung eines Wohnungsputzes. Im Frühjahr 1941 lebt er mit seiner Frau Rosa, der neugeborenen Tochter Lotta und seinen Eltern in einer unkomfortablen, dunklen Souterrain-Wohnung. Mit dem Staubtuch geht Salzman über Möbel, Vasen, Skulpturen, eine Schamanentrommel – Erinnerungsstücke aus der Familiengeschichte und Souvenirs von seinen beruflichen Reisen als Filmausstatter. Er glättet die Teppiche, Vorhänge, Kissen und Tischdecken. Fünf helle Gläser für Bier gab es, sechs grüne für Wein. Es sind die Erinnerungen eines liebenden Mannes, der den Schauplatz eines glücklichen Familienlebens schildert, eines Künstlers, der sich mittels schöner Dinge mit der Welt verbindet. Schon im Sommer treffen Flüchtlinge aus Riga und Lwow in Leningrad ein, man hat von den Schrecken der Bombardierung Amsterdams gehört und bereitet sich auf die Verteidigung der Stadt vor, hebt Gräben aus. Salzman setzt seine kreativen Fertigkeiten nicht mehr für den Filmkulissenbau ein, sondern zur Tarnung des Gaswerks. Vergebens. Die deutschen Bombardements überziehen die Stadt mit Bränden und Schutt. Nicht nur die Infrastruktur wird zerstört, auch das gesellschaftliche und intellektuelle Leben.

Das Schlimmste ist der Hunger. Er entkräftet die Körper und das Denken. Er greift die Moral an und die Menschlichkeit. Ohne Hilfe zu verweigern, zu betrügen oder zu stehlen, ist es kaum möglich zu überleben. Salzman spart die Schilderung des Entsetzlichsten aus. Sein unheroischer Widerstand gegen die Vernichtung besteht darin, den Alltag so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Er insistiert darauf, dass sich die Familie auch dann noch zu den Mahlzeiten am Tisch versammelt, als es schon fast nichts mehr zu essen gibt. Widerstand heißt, die wässrige Suppe aus der Betriebskantine nach Hause zu bringen, ohne im Schnee zu stürzen. Gegen jede praktische Vernunft etwas Essbares gegen Christbaumschmuck zu tauschen. Widerstand heißt, die letzten geistigen Kräfte zu mobilisieren, um das Baby nicht draußen in der Kälte zu vergessen. Es heißt, der Hungeragonie nicht zu erliegen.

Zehn Monate überlebten Pawel, Rosa und Lotta Salzman, bis sie evakuiert wurden. Für seine geliebten Eltern war es zu spät. Die Blockade dauerte noch weitere achtzehn Monate, die Heeresgruppe Nord belagerte Leningrad vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. 1,1 Millionen Menschen starben in der Stadt. Der massenhafte Tod von Zivilistinnen und Zivilisten war Ziel des deutschen Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion, die systematische Aushungerung das Mittel. Dieses entsetzliche Kriegsverbrechen ist hierzulande kaum im Bewusstsein. Pawel Salzmans Erinnerungen sind ein kostbares Zeugnis aus dieser von Deutschen veranstalteten Hölle auf Erden.

Beschreibung

Die Leningrader Blockade durch deutsche Truppen während des Zweiten Weltkriegs dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. In dieser Zeit verloren über eine Million Bewohner der Stadt ihr Leben, meist verhungerten sie, da durch die Blockade die Versorgung Leningrads nicht mehr gewährleistet werden konnte. In seinem bewegenden Tagebuch notiert Pawel Salzman den Alltag, den Hunger, die Kälte, die Bombeneinschläge, aber auch die Strategien des Überlebens und die grausamen Vorwürfe, die er sich macht, weil seine Eltern verhungerten, während er, seine Frau und seine kleine Tochter am Leben geblieben sind. Sein Blockadetagebuch zeichnet sich trotz späterer Überarbeitung durch große und eindrückliche Unmittelbarkeit aus. Bei aller Entsetzlichkeit des Geschehens - die Leningrader Blockade, in Deutschland noch viel zu wenig im öffentlichen Bewusstsein präsent, zählt zu den grausamsten Verbrechen der Wehrmacht - verzichtet Salzman auf eine drastische Darstellung und legt den inneren Kampf offen, Mensch zu bleiben unter unmenschlichen Umständen.

Über Pawel Salzman

Christiane Körner lebt als Übersetzerin und Publizistin in Frankfurt am Main. Sie war als Sprachdozentin in Moskau tätig und hat Tatjana Tolstaja, Dmitri Prigow, Lew Tolstoi, Vladimir Sorokin und andere ins Deutsche übertragen sowie mehrere Anthologien russischer Erzählungen herausgegeben.

Schlagzeile

'Ein einmaliges Buch: Notizen eines scharf beobachtenden, tollkühnen, aufrichtigen und feinsinnigen Menschen, der nach absoluter Ehrlichkeit strebt.' Polina Barskova