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ISBN/EAN: 978-3-930786-94-7
Einband: kartoniertes Buch
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Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
132 S.
Format (T/L/B):
1.2 x 21.5 x 14.7 cm

Hersteller:
Konkret Literatur Verlag
Dr. Dorothee Gemliza
info@konkret-literatur-verlag.de
Ehrenbergstr. 59
DE 22767 Hamburg
www.konkret-literatur-verlag.de

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Störung im Betriebsablauf

Systemirrelevante Betrachtungen zur Pandemie, Konkret Texte 80

19,50 €

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Unser Tipp für Sie

Online-Veranstaltungen haben den Vorteil, dass man mit Leuten diskutieren kann, die tausende Kilometer entfernt sind. Außerdem braucht man, wenn man nicht gerade zu der Minderheit gehört, die im Homeoffice beschäftigt wird, wenigstens am Feierabend keine Angst vor Ansteckung zu haben. Trotzdem ist das nicht das Wahre. Kameras, Mikrofone und die Einblicke in fremde Wohnräume erzeugen Beklommenheit. Auch fehlen das gemeinsame Bier, der Schweiß- und Tabakdunst, das Geraschel und Geschnaube, das Drumherum, das so einer gesellschaftskritischen Zusammenkunft erst die Würze verleiht. Ebermann hat Teile des Buchs als Vorträge konzipiert und sein Stil ist nahe an der gesprochenen Sprache. Er analysiert, kritisiert, polemisiert, klagt, schimpft und scherzt. Seine Unbescheidenheit senkt die Hemmschwelle, vom Lesesessel aus einen Zwischenruf abzusetzen oder sich gleich mit einem längeren inneren Monolog in die Diskussion einzuschalten. Tatsächlich entsteht eine gewisse Polyphonie dadurch, dass Ebermann eine Reihe linker Statements zum Thema kommentiert, ausführlicher etwa den Aufruf der Initiative „Zero Covid“. Außerdem gibt er regelrechte Lektüreberichte neuerer Bücher. Prominent platziert sind der Band von Rob Wallace über den Zusammenhang von Agrarindustrie und der Covid19-Pandemie oder Wolfgang Hiens große, von Empathie für die Geschundenen geprägte Studie Die Arbeit des Körpers.

Ebermann rekapituliert die Entwicklungen seit Beginn der unvorhergesehenen, aber vorhersehbaren Pandemie, das Verhalten des Staates, das der Linken und den dominanten Corona-Diskurs. So wird die Schule als Hort kindlicher Glückseligkeit verklärt. „Wie ausradiert die tyrannische Dressur und das Einsortieren in die gesellschaftlichen Hierarchien […] die Angst vor Prüfungen und Zeugnissen“. Völlig dissoziiert von der viel beschworenen Normalität bleibt die „demokratische Barbarei“, die sich wohl am eklatantesten im Umgang mit den Flüchtlingen zeigt. Hier gibt es bereits Routine im Sterbenlassen, wie es seit Corona mehr oder weniger direkt für Alte, Kranke und Arme gefordert wird. Kurzum: Die Rückkehr zur Normalität ist eine „trostlose Hoffnung“, die kein Mensch mit Herz und Verstand herbeisehnen kann.

Das empirische Material, an dem Ebermann sich abarbeitet, reicht von den Bruttosozialprodukten westlicher Staaten bis zur alltäglichen Beobachtung von Kraftprotzerei angesichts von Krankheit und Tod. Diese Kraftmeierei ist keineswegs eine partikulare Macke Einzelner, die gegen jede Vernunft an ihre selbstoptimierte Leistungsfähigkeit glauben, sondern das Ergebnis eines in vielen Etappen erfolgten „menschheitsgeschichtlichen Dressurakts“, der die Leute überhaupt erst zur Lohnarbeit befähigt hat. Die „Erziehung zur Verhärtung“ lehrt, das eigene Wohlbefinden und die Gefahren der Arbeit zu missachten. 

Auf die stets im Raum stehende Frage „was tun?“ gibt es wenig überraschend die Antwort: Radikale Negation. Was aber nicht heißt, sich vornehm aus dem „Handgemenge“ herauszuhalten. Kleiner Praxistipp: „Schon wer sich nur eine Krankschreibung besorgte, träfe eine winzige Entscheidung, sich selbst wichtiger zu nehmen als die Firma.“

Beschreibung

'Mein Ausgangspunkt bleibt, dass dem Plan des deutschen Staates ein notwendiges kapitalistisches Kalkül zugrunde liegt, nämlich das Ausbalancieren von akzeptierten Opfern und die Vermeidung einer zu hohen, das nötige Reservoir der Ware Arbeitskraft beeinträchtigenden Zahl von Infektionen - bei Erhalt der Loyalität gegenüber dem Staat sowie seinem regierenden und konstruktiv-oppositionellen Personal selbstverständlich.' Mit diesem Buch formuliert Thomas Ebermann eine linke Position zur Covid-19-Pandemie. Er wendet sich gegen einen Staat, der für die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Betriebs Opferbereitschaft fordert; gegen die rechten und linken Verharmloser einer todbringenden Krankheit; gegen die Rücksichtslosigkeit und Brutalität der durch die Herrschaft geformten Subjekte; gegen die fortwährende Produktion falscher Bedürfnisse; gegen das große Heilsversprechen dieser Tage, dass wir, wenn wir uns alle nur richtig anstrengen, bald wieder zur 'Normalität' zurückkehren können; und gegen die Vorstellung, dass diese 'Normalität' etwas Erstrebenswertes sei.

Über Thomas Ebermann

Die Autoren Thomas Ebermann ist »Arbeiter ohne Fixierung auf diese frühere Lebensphase, Politiker ohne Karriere, Intellektueller ohne Abitur, Künstler ohne Genre-Grenzen. Das Wörtchen >ohne markiert immer auch Nichtzugehörigkeit« (Georg Fülberth). Er publiziert seit über 40 Jahren in konkret. In der Reihe konkret texte ist von ihm 2019 das Buch Linke Heimatliebe. Eine Entwurzelung erschienen. Johannes Creutzer lebt und arbeitet als freier Autor in Hamburg. Er schreibt regelmäßig für konkret.