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ISBN/EAN: 978-3-940865-57-1
Einband: kartoniertes Buch
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Illustrator:
Nati Radtke
Auflage:
1. Auflage 2013
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
147 S.
Format (T/L/B):
1 x 18.4 x 12.1 cm

Hersteller:
AG SPAK Bücher
Waldemar Schindowski
spak-buecher@leibi.de
Holzheimer Str. 7/1
DE 89233 Neu-Ulm
www.agspak-buecher.de

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Budenzauber Inklusion

19,50 €

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Unser Tipp für Sie

Das kitschige Cover und der Titel haben mich nicht angesprochen. Auch nicht der Klappentext, der vom „überraschenden Zauber“ von „Limonade und Schoko-Brownies im entscheidenden Augenblick“ säuselt. Vielleicht habe ich das Buch nur aufgeschlagen, weil ich nicht glauben wollte, dass Paula Fox so etwas begeistern könnte. Und was offenbart sich mir? Ein Roman, der Freiheit und Liebe einmal wirklich anders buchstabiert!

Es geht um drei Menschen, denen das, was gemeinhin, aber fälschlich ‚das Leben‘ genannt wird, übel mitgespielt hat. Warren fährt Rollstuhl, weil er als Jugendlicher einen Schuss in den Rücken bekommen hat, Junie Moon wurde von einem Mann halb totgeschlagen und mit Säure übergossen, und Arthur hat mit einem fortschreitenden Nervenleiden Jahre in Kliniken verbracht, ohne irgendeinen Behandlungserfolg. Vom Leben in der Anstalt haben alle drei die Nase voll. Sie beschließen ihren Auszug, wohlwissend, dass die Welt draußen sie nicht freundlich wieder aufnehmen wird. Ein klappriges Haus unter einem Feigenbaum wird ihr Zuhause, dort veranstalten sie einen Bruchbudenzauber ganz eigener Fasson.* 

Mehr als die Freuden des WG-Lebens genießen Junie, Arthur und Warren die Freiheit, sich nach Lust und Laune miteinander streiten zu können. Ständig ziehen sie sich auf, zicken sich an und stochern in den Wunden der anderen. Nicht Limonade, sondern rachsüchtige Gedanken und Gewaltphantasien erfrischen ihre Gemüter. Nicht aus zärtlicher Zugewandtheit, sondern indem sie sich aneinander reiben und dabei ihren Frust in Ansprüche verwandeln, wachsen Selbstvertrauen, Freundschaft und Liebe. Marjorie Kellogg lässt gewahr werden, dass Herzlichkeit auch sublimierte Aggression ist. Deshalb kann Herzlichkeit so entschieden zupacken, wenn’s drauf ankommt. 

Junie, Arthur und Warren lernen einander unter die Arme zu greifen, während sie ihre jeweils eigenen Erfahrungen machen, sich hinausbegeben, um einen Job oder das Vergnügen zu suchen und neue Bekanntschaften zu machen – überall belauert von den Blicken der Anderen, von voyeuristischen Nachbarn, fiesen Kindern, lüsternen Frauen und Männern. Es ist der allgegenwärtige musternde Pannwitzblick, den keineswegs nur Ärzt*innen haben: Von seiner eigenen Macht fasziniert und vollkommen teilnahmslos zerlegt dieser Blick den Körper des Gegenübers in brauchbare und in unbrauchbare Teile*. Die Drei in Kelloggs Roman lassen sich davon nicht kleinkriegen und machen sich schließlich in einem alten Fischlaster auf zu einer Reise ins Glück. 

In Marjorie Kelloggs Roman von 1968 sind ihre Erfahrungen als Sozialarbeiterin eingeflossen, die Perversionen des 'Fürsorgesystems' hält der Roman in kleinen scharfen Beobachtungen fest. Die Emanzipation ihrer Protagonistinnen lässt die entstehende Krüppelbewegung der 1970er erahnen. 

Vielleicht hat der Unionsverlag bei dem täuschenden Einband auf mehr als nur auf bessere Absatzchancen für die deutsche Neuausgabe spekuliert: Der Roman muss sich am Pannwitzblick vorbeischmuggeln, damit er von hinten ins Auge und ins Herz der Leser*innen stechen kann. 

* siehe zur Kritik einer Inklusionspolitik, die nichts an der Herrschaft des aussondernden Blicks ändert: Udo Sierck: Budenzauber Inklusion. Der von Udo Sierck und Didi Danquart herausgegebene Band  Der Pannwitzblick. Wie Gewalt gegen Behinderte entsteht  (Libertäre Assoziation 1993) ist leider vergriffen. Der gleichnamige Film von Didi Danquart ist auf Youtube zu finden. Jede*r sollte ihn gesehen haben.

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Beschreibung

Die Ratifi zierung der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen hat quer durch die politischen Parteien und bei den Behindertenverbänden euphorische Reaktionen ausgelöst. Nur selten sind die Versuche, die Perspektiven der Inklusion, also der vorbehaltlosen Zugehörigkeit und gleichberechtigten Teilhabe aller behinderten Personen in der Gesellschaft, in den Kontext realer Sozial- und Wirtschaftspolitik zu stellen. Auch die Vorbehalte im alltäglichen Umgang scheinen wie weggeblasen. Das vorliegende Buch zeigt: Statt Inklusion droht immer mehr Menschen die Exklusion. Die allgemeine Bewusstseinslage ist gekennzeichnet durch Denkmuster und Verhaltensweisen, die im Alltag ausgrenzend wirken. Der Blick auf die Anderen oder Körperideale verraten das Gegenteil von Zugehörigkeit. Der Autor, langjähriger Aktivist der politischen Behindertenbewegung, beschreibt nachdenklich und kritisch die Inklusionsdebatte zwischen Dichtung und Wahrheit.