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ISBN/EAN: 978-3-99136-003-2
Einband: Paperback
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Auflage:
1. Auflage 2023
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
160 S.
Format (T/L/B):
1.3 x 21.1 x 13.8 cm

Hersteller:
Mandelbaum Verlag eG
office@mandelbaum.at
Wipplingerstraße 23
AT 1010 Wien


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Beton

Massenkonstruktionswaffe des Kapitalismus

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Unser Tipp für Sie

Massenkonstruktionswaffe des Kapitalismus

Der wohl älteste noch vorhandene Betonbau ist das Pantheon in Rom, aber die Haltbarkeit eines modernen Stahlbetonbaus beträgt nur wenige Jahrzehnte. Beton ist das Gegenteil von nachhaltig. Es ist für die nächste Zukunft mit einstürzenden Neubauten und gigantischen Mengen an Betonmüll zu rechnen, von dem im günstigsten Fall ein winziger Teil im Lowcycling etwa als Füllung für neue Straßenbauten verwendet werden kann. Extraktivismus: Dass die Hauptingredienz für Beton, der Sand am Meer (der aus der Wüste ist unbrauchbar), mittlerweile auch eine knappe Ressource geworden ist, spricht sich langsam herum. Es sind bereits ein Dutzend indonesischer Inseln zur Sandgewinnung abgebaggert und von diesem Planeten getilgt worden. Die Versiegelung des Bodens durch Beton führt zu Dürre und Überschwemmungen. Und schließlich macht Beton auch die Menschen krank, die ihn herstellen, verarbeiten und mit ihm leben müssen.

Strittiger als Jappes Ausführungen zur ökologischen Schädlichkeit dürfte seine ästhetische und soziale Kritik am Beton sein. In der Bildsprache der linken Alternativbewegungen der 1980er Jahre gab es die Risse im Beton, aus dem ein Pusteblümchen wächst, als Metapher für den sanften und gleichsam naturwüchsigen Widerstand gegen die Unwirtlichkeit der kapitalistischen Welt. Solch antimoderner Kitsch ist mittlerweile zu Recht verpönt. Heute betrachtet man die AvantgardeBewegungen des frühen 20. Jahrhunderts mit Nostalgie. Selbst der Brutalismus der Nachkriegszeit ist als Vintage ästhetisch verklärt. Dabei wird nicht bedacht, dass mit der avantgardistischen Urbanistik Gesellschaftsentwürfe formuliert wurden, die im Kern und in der Konsequenz unmenschlich sind. Tatsächlich kollaborierten Vertreter der modernen Architektur und Stadtplanung mit faschistischen Regimen, die prominentesten Beispiele sind die italienischen Futuristen und Le Corbusier, den Jappe ein »sinistres Individuum« nennt. Die Bauwerke des stalinistischen Totalitarismus und der kapitalistischen Demokratien sind auch nicht besser. Nach bald einem Jahrhundert, in dem rund um den Erdball Häuser, Hallen, Staudämme, Türme, Straßen und Brücken aus armiertem Beton errichtet wurden, hat sich gezeigt, dass das Leben dadurch gerade nicht leichter, sicherer, gesünder und schöner geworden und der billige Baustoff auch kein Mittel gegen Wohnungsnot ist. Im Gegenteil.

Jappes schwungvolle und gelehrte Verdammung des Beton ist eine sehr anregende Lektüre; dass es auch zu Widerspruch reizt, spricht für das Buch.

Beschreibung

Beton verkörpert die kapitalistische Logik und stellt die konkrete Seite der Warenabstraktion dar. Wie diese löscht er alle Unterschiede aus. Als in astronomischen Mengen hergestelltes Industrieprodukt hat Beton die ganze Welt erobert, trotz seiner verheerenden Folgen für Umwelt und Gesundheit. Er hat die traditionellen Bauweisen verdrängt und alle Orte einander gleichgemacht. Monotonie des Materials, Monotonie der damit seriell, nach wenigen Modellen erstellten Bauten und geplante Obsoleszenz unterscheiden ihn von allen anderen Baumaterialien. Beton verwandelt Gebäude in Waren und trägt so zu einer Welt bei, in der wir nicht mehr zu Hause sind. Anselm Jappe zeichnet die Geschichte des Betons nach, insbesondere die Propaganda seiner zahlreichen - allen Ideologien angehörigen - Befürworter und die Skepsis seiner wenigen Gegner; die Katastrophen, die er auf vielen Ebenen anrichtet. Schließlich soll auch gezeigt werden, was dieses Material mit der Wertlogik und der abstrakten Arbeit zu tun hat. Diese mit zahlreichen Beispielen angereicherte, unerbittliche Kritik des Betons ist gleichzeitig eine Kritik der modernen Architektur und des zeitgenössischen Urbanismus.

Über Anselm Jappe

Anselm Jappe ist 1962 in Bonn geboren und hat in Rom und Paris Philosophie studiert. Er unterrichtet Ästhetik an der Kunsthochschule Rom. Auf Deutsch hat er Schade um Italien und Die Abenteuer der Ware veröffentlicht, Guy Debord und La Société autophage auf Französisch. Er hat sich mit Guy Debord und den Situationisten und der Kritik am Kapitalismus beschäftigt, vor allem in den Zeitschriften Krisis und Exit!.