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Emilio Lussu: Marsch auf Rom und Umgebung

Joyce Lussus Erinnerungen an ihre Zeit in der Resistenza haben wir bereits energisch empfohlen, nun ist erfreulicherweise auch ein ganz hervorragendes Buch ihres Ehemannes Emilio Lussu wieder lieferbar.

Lussu berichtet aus eigenem Erleben und mit politischem und analytischem Scharfsinn über den „Marsch auf Rom und Umgebung“. Eine eigentlich stümperhafte, improvisierte Aktion geriet dank des Versagens demokratischer Institutionen und dank des Opportunismus vieler Akteure – angefangen vom König bis hin zum Dorfbürgermeister – zu einer folgenreichen politischen Katastrophe. Lussu, Vorsitzender einer linken sardischen Partei, pendelte zwischen Rom und Sardinien, opponierte, agitierte, organisierte gegen den faschistischen Coup. Schließlich wurde er auf einer Gefangeneninsel interniert, konnte aber auf abenteuerliche Weise ins französische Exil fliehen, wo er seinen Bericht bereits 1932 veröffentlichte, um den Widerstand vom Ausland aus voranzutreiben.

Da er nicht nur ein mutiger Antifaschist war, sondern auch ein begnadeter Erzähler mit einem exquisiten Sinn für Situationskomik, ist sein Bericht ein überaus unterhaltsames, teils außerordentlich witziges Buch, was angesichts der Entstehungsbedingungen und des Themas verstörend ist. Dass es sich beinahe wie eine Satire liest, ist keineswegs frivol, sondern liegt vielleicht auch in der Natur des Faschismus. Faschisten sind nur allzu oft groteske Gestalten, ihre „Theorien“ kindisch und bizarr. Furchterregend werden sie nur wegen der enthemmten Gewaltbereitschaft. Auch hundert Jahre nach Mussolinis „Marsch auf Rom und Umgebung“ ist das noch so. Aber so lächerlich es auch sein mag: Das, was sie sagen, meinen sie genau so, und wenn man sie lässt, handeln sie entsprechend.

Ein Bericht, Transfer Bibliothek CLXIX
Einband: gebundenes Buch
EAN: 9783852568652
25,00 €inkl. MwSt.

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Kategorie: Geschichte