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ISBN/EAN: 978-3-293-00573-0
Einband: gebundenes Buch
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Originaltitel:
Tell me that you love me, Junie Moon
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
256 S.
Format (T/L/B):
2.5 x 19.5 x 12 cm

Hersteller:
Unionsverlag
vertrieb@unionsverlag.ch
Neptunstraße 20
CH 8032 ZÜRICH


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20,00 €

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Unser Tipp für Sie

Das kitschige Cover und der Titel haben mich nicht angesprochen. Auch nicht der Klappentext, der vom „überraschenden Zauber“ von „Limonade und Schoko-Brownies im entscheidenden Augenblick“ säuselt. Vielleicht habe ich das Buch nur aufgeschlagen, weil ich nicht glauben wollte, dass Paula Fox so etwas begeistern könnte. Und was offenbart sich mir? Ein Roman, der Freiheit und Liebe einmal wirklich anders buchstabiert!

Es geht um drei Menschen, denen das, was gemeinhin, aber fälschlich ‚das Leben‘ genannt wird, übel mitgespielt hat. Warren fährt Rollstuhl, weil er als Jugendlicher einen Schuss in den Rücken bekommen hat, Junie Moon wurde von einem Mann halb totgeschlagen und mit Säure übergossen, und Arthur hat mit einem fortschreitenden Nervenleiden Jahre in Kliniken verbracht, ohne irgendeinen Behandlungserfolg. Vom Leben in der Anstalt haben alle drei die Nase voll. Sie beschließen ihren Auszug, wohlwissend, dass die Welt draußen sie nicht freundlich wieder aufnehmen wird. Ein klappriges Haus unter einem Feigenbaum wird ihr Zuhause, dort veranstalten sie einen Bruchbudenzauber ganz eigener Fasson.* 

Mehr als die Freuden des WG-Lebens genießen Junie, Arthur und Warren die Freiheit, sich nach Lust und Laune miteinander streiten zu können. Ständig ziehen sie sich auf, zicken sich an und stochern in den Wunden der anderen. Nicht Limonade, sondern rachsüchtige Gedanken und Gewaltphantasien erfrischen ihre Gemüter. Nicht aus zärtlicher Zugewandtheit, sondern indem sie sich aneinander reiben und dabei ihren Frust in Ansprüche verwandeln, wachsen Selbstvertrauen, Freundschaft und Liebe. Marjorie Kellogg lässt gewahr werden, dass Herzlichkeit auch sublimierte Aggression ist. Deshalb kann Herzlichkeit so entschieden zupacken, wenn’s drauf ankommt. 

Junie, Arthur und Warren lernen einander unter die Arme zu greifen, während sie ihre jeweils eigenen Erfahrungen machen, sich hinausbegeben, um einen Job oder das Vergnügen zu suchen und neue Bekanntschaften zu machen – überall belauert von den Blicken der Anderen, von voyeuristischen Nachbarn, fiesen Kindern, lüsternen Frauen und Männern. Es ist der allgegenwärtige musternde Pannwitzblick, den keineswegs nur Ärzt*innen haben: Von seiner eigenen Macht fasziniert und vollkommen teilnahmslos zerlegt dieser Blick den Körper des Gegenübers in brauchbare und in unbrauchbare Teile*. Die Drei in Kelloggs Roman lassen sich davon nicht kleinkriegen und machen sich schließlich in einem alten Fischlaster auf zu einer Reise ins Glück. 

In Marjorie Kelloggs Roman von 1968 sind ihre Erfahrungen als Sozialarbeiterin eingeflossen, die Perversionen des 'Fürsorgesystems' hält der Roman in kleinen scharfen Beobachtungen fest. Die Emanzipation ihrer Protagonistinnen lässt die entstehende Krüppelbewegung der 1970er erahnen. 

Vielleicht hat der Unionsverlag bei dem täuschenden Einband auf mehr als nur auf bessere Absatzchancen für die deutsche Neuausgabe spekuliert: Der Roman muss sich am Pannwitzblick vorbeischmuggeln, damit er von hinten ins Auge und ins Herz der Leser*innen stechen kann. 

* siehe zur Kritik einer Inklusionspolitik, die nichts an der Herrschaft des aussondernden Blicks ändert: Udo Sierck: Budenzauber Inklusion. Der von Udo Sierck und Didi Danquart herausgegebene Band  Der Pannwitzblick. Wie Gewalt gegen Behinderte entsteht  (Libertäre Assoziation 1993) ist leider vergriffen. Der gleichnamige Film von Didi Danquart ist auf Youtube zu finden. Jede*r sollte ihn gesehen haben.

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Beschreibung

Diese drei lassen sich nicht unterkriegen - Junie Moon, die den Säureanschlag eines Liebhabers nur knapp überlebte, Arthur mit einem Nervenleiden und Warren im Rollstuhl. Im Krankenhaus lernen sie sich kennen und schmieden einen Plan: Nach ihrer Entlassung wollen sie zusammenziehen, egal was die anderen davon halten mögen. In einem überwucherten, in die Jahre gekommenen Haus, unter den Augen eines bösartigen Nachbarn und der Ohreneule im Feigenbaum, schaffen sie sich ihr eigenes Reich, in dem Selbstmitleid nicht geduldet wird und man gefälligst Schoko-Brownies zu backen hat, wenn man sich fürchtet. Zankend, gnadenlos ehrlich und immer gemeinsam treten sie an, um sich die Welt zurückzuerobern und ein Leben zu führen, an das niemand von ihnen mehr geglaubt hatte.

Über Marjorie Kellogg

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Schlagzeile

Vom Schicksal gebeutelt holen drei Außenseiter sich ihr Leben zurück.