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ISBN/EAN: 978-3-7518-8051-0
Einband: kartoniertes Buch
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Übersetzer:
Christiane Körner
Auflage:
1. Auflage 2025
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
160 S.
Format (T/L/B):
1.2 x 18.2 x 12.2 cm

Hersteller:
Friedenauer Presse
Andreas Rötzer
info@matthes-seitz-berlin.de
Großbeerenstraße 57A
DE 10965 Berlin
https://www.matthes-seitz-berlin.de/friedenauer-presse.html

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Apfelschimmel

und andere Erzählungen, Friedenauer Presse Wolffs Broschur

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Unser Tipp für Sie

Vor drei Jahren erschienen Pawel Salzmans eindrückliche Erinnerungen an die Blockade Leningrads während des deutschen Vernichtungskrieges. Er selbst überlebte dank eines Evakuierungskonvois knapp, wurde als Deutschstämmiger in der Sowjetunion zu Kriegszeiten verfolgt und anschließend als Jude drangsaliert. Für längere Prosawerke blieben da wenig Ressourcen, umso stärker konzentriert sich Salzmans erzählerische Kraft in seinen kurzen Texten. Bei der Friedenauer Presse liegt nun auch eine Auswahl seiner meisterhaften Erzählungen vor, die Übersetzerin Christiane Körner hat ein erhellendes Nachwort dazu verfasst. 

Salzman bewegt sich literarisch in der Tradition russischer Märchen, liebte die deutsche Romantik, auch eine Shakespeare-Anleihe fehlt nicht. Unheimliche Wälder, unergründliche Geistgestalten und magische Gegenstände haben ihren Auftritt. Die Texte funktionieren zeitlos. Aber wer um ihren Entstehungskontext weiß, liest sie unweigerlich auch als Verarbeitung der Grauen des 20. Jahrhunderts, etwa der Kälte und des unaufhörlich nagenden Hungers während der Leningrader Blockade, als eine Million Menschen ihr Leben verloren. Kein Wunder, dass die schimmernden, duftenden Äpfel in der titelgebenden ersten Erzählung die Kinder dazu verleiten, alle Vorsicht über Bord zu werfen. Die Menschenfresser in »Das vierte Häuschen« wiederum lassen zunächst an die böse Hexe im Märchenwald denken, aber: »Menschenfresser« nannte die sowjetische Presse die deutschen Soldaten, und Kannibalismus war im belagerten Leningrad bittere Realität. Auch Salzmans späteres Leben in einem zunehmend totalitären Staat scheint durch. Die ungewöhnlich heiter beginnende Erzählung »Die Galoschen« erinnert bald an Kafkas Prozess, wenn der Protagonist sich unversehens in einem undurchsichtigen bürokratischen Irrsinn wiederfindet. Dass er plötzlich die vorgesehenen Abläufe durchbricht, überrascht ihn selbst am meisten. Doch was zunächst wie eine Rebellion gegen ein totalitäres System wirkt, macht zutiefst schaudern. 

Pawel Salzmans Erzählungen erschüttern, faszinieren, ziehen die Leserin in ihren Bann. Nicht zuletzt »bergen sie«, wie Christiane Körner treffend schreibt, »die Magie poetischer und persönlicher Freiheit«. 

Ebenfalls erhältlich: Pawel Salzman: Erinnerungen an die Blockade. Mai 1941–Februar 1942.

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Beschreibung

Pawel Salzman brauchte das künstlerische Schaffen wie die Luft zum Atmen. Sein Leben war durch eine Aneinanderreihung von Katastrophen geprägt - Bürgerkrieg, Armut, die Belagerung Leningrads -, die es ihm nicht erlaubte, kontinuierlich an großen Projekten zu arbeiten. Ein Umstand, der eine Fülle meisterhafter Kurzerzählungen hervorbrachte: Todespferde, Spiegelgeister, Handstand machende Herzoginnen und höfliche Kannibalen besiedeln den literarischen Kosmos des Erzählers. Er nimmt uns mit in eine Märchenwelt, entfaltet vor uns die Szenarien dunkelster Träume und heiterer Sozialsatiren. Mythisches vermischt sich mit Hyperrealistischem und Groteskem, Paradiesäpfel mit dem Gestank faulender Kartoffeln und angeklebten Nasen. Was sind das für Gestalten und verzauberte Dinge, die in verschneiten Wäldern und kupfernen Spielzeugschlössern ihr Unwesen treiben? Anstatt logische Erklärungen zu bieten, lässt der Erzähler die Sphäre der Gefühle ihre volle Wirkmacht entfalten.  Salzman hält uns gebannt in einem Labyrinth, das in die Tiefen der menschlichen Existenz führt: Hunger, Kälte, Getriebenheit und Ausgeliefertsein sind wiederkehrende Themen in einem literarischen Werk, das in seiner facettenreichen Bildsprache die Schrecken des 20. Jahrhunderts verbirgt.

Über Pawel Salzman

Pavel Salzman ( ), 1912 in Kischinjow, Moldawien, geboren, wuchs zunächst in Odessa auf. Die Familie zog nach dem Russischen Bürgerkrieg durch Südrussland, die Ukraine und Moldawien und ließ sich 1925 in Leningrad nieder. Hier lernte Salzman Pawel Filonow, einen Protagonisten der russischen Avantgarde, kennen, dessen Kunstauffassung ihn nachhaltig prägte. Er begann als Filmausstatter und Illustrator zu arbeiten, schuf Mosaike an Gebäudefassaden, malte, zeichnete und schrieb Gedichte sowie zahlreiche Erzählungen, Erinnerungen, Tagebücher und Romane. Salzman starb 1985 im Alter von 73 Jahren. Christiane Körner lebt als Übersetzerin und Publizistin in Frankfurt am Main. Sie hat Autoren wie Lidia Ginsburg, Alissa Ganijewa, Wassili Grossman und Dmitri Prigow ins Deutsche übertragen. 2017 erhielt sie den Paul-Celan-Preis für ihr Gesamtwerk.  Christiane Körner lebt als Übersetzerin und Publizistin in Frankfurt am Main. Sie hat Autoren wie Lidia Ginsburg, Alissa Ganijewa, Wassili Grossman und Dmitri Prigow ins Deutsche übertragen. 2017 erhielt sie den Paul-Celan-Preis für ihr Gesamtwerk.