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Buchtipps

  Frédéric Valin im taz Talk: https://taz.de/Frederic-Valin-im-taz-Talk/!5815323/

Der von Schatten begrenzte Raum des Theaters war immer ihr Zuhause. Nachdem in der Türkei 1971 das Militär die Regie übernahm, zog es Emine Sevgi Özdamar an die Bühnen von Berlin, Paris, Bochum und anderswo, wo man mit Begeisterung Brecht’sches Theater machte. Von Schatten begrenzt ist auch der Raum des Exils, in dem das Leben der Erzählerin spielt.

Noch vor dem Rad ist das Spinnen erfunden worden. Von den steinzeitlichen Handspindeln verläuft ein verworrener Faden bis zur Spinning Jenny und zur industriellen Revolution. Ohne den Webstuhl wäre niemals ein Computer gebaut worden. Spinnen und Weben sind die fundamentalsten Technologien der menschlichen Zivilisation. Aber Stricken ist auch nice!

Neuübersetzung von  Manfred Allié. Myanmar hieß in den 1920er Jahren Burma und stand als Teil von Indien unter britischer Kolonialherrschaft. Ein Rädchen des Empire war der Polizist Eric Arthur Blair, der auf einem Heimaturlaub in England den Kolonialdienst quittierte, um unter dem Namen George Orwell Journalist und Schriftsteller zu werden. Vor allem sein Bericht über seinen Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg und seine dystopischen Romane werden bis heute viel gelesen.

Was die Wissenschaft über die Arbeit lernen kann von jenen, die sie verrichten  Es ist banales Erfahrungswissen und jede Verkäuferin kann es bestätigen: Langes Stehen ohne die Möglichkeit, sich die Beine zu vertreten, verursacht Schmerzen und ist auf die Dauer unerträglich. Aber versuchen Sie das mal zu beweisen.

Im Gesundheitssystem herrscht der Notstand. Es geht mehr um Kosten und Profite als um die Gesundheit der Leute. Und auch die anderen Hilfesysteme sorgen weniger für die Menschen, die Hilfe brauchen, als dass sie sie verwalten. Die Belastungen, Stress und Notlagen, die das für Klient*innen wie auch für das Personal bedeutet, werden von der Politik wie Nebenwirkungen behandelt.

Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung Der Untertitel gibt an, worum es in diesem Buch geht. Eine substanzielle und engagierte Kritik der herrschenden Erinnerungspolitik.

Annie Ernaux’ unpersönlich autobiografische Bücher zu lesen ist ein bisschen so, als wäre man bei einer archäologischen Ausgrabung dabei: Behutsam und konzentriert wird Schicht für Schicht eine Erinnerung freigelegt, und anhand des einzelnen Fundstücks wird sein gesellschaftlicher Kontext sichtbar. Das Ereignis handelt von Ernaux’ illegaler Abtreibung im Winter 1961/62. Die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen gehört leider nicht einer längst verschütteten Vergangenheit an.

Kämpfe, Forderungen, Verweigerungen, Besetzungen, Streiks, Aktivitäten verschiedenster Art für Freiheit und Gerechtigkeit, gegen Krieg, Faschismus und Kapital haben in Berlin eine lange und vielfältige Geschichte, und die viel besungene „letzte Schlacht“ ist noch nicht geschlagen. Es ist schön, in Erinnerungen zu schwelgen, aber die Niederlagen und Opfer werden nicht vergessen. Erinnern heißt kämpfen! Dieser üppige Band sollte in keinem linksradikalen Haushalt fehlen.

Natascha Wodin hat einen Roman über das Leben einer Tiefbauingenieurin aus Kiew geschrieben, die sie in den 1990ern in Berlin als Putzhilfe kennenlernte. Eine Ost-West-Migration, von einer Mangelwirtschaft in die andere, aus der realsozialistischen Notversorgungsgemeinschaft der Familie in die einsame Prekarität der großstädtischen Schattenökonomie. Auch ein Buch, durch das man Berlin mit anderen Augen sieht.