Buchtipps

Laura Willowes, Tochter einer biederen Bierbrauerfamilie, findet keinen Gefallen am Heiraten. Wäre sie ein Mann, hätte sie womöglich die Brauerei übernommen und wäre ein zufriedener Junggeselle geworden. Einer Frau im England der 1920er Jahre stand dieser Weg aber nicht in gleicher Weise offen. So reift Laura im Haushalt ihres verheirateten…
Für alle, die es noch nicht gelesen haben: Effingers gibt es jetzt auch als Taschenbuch! Der Roman erzählt die Geschichte zweier Berliner Unternehmerfamilien über vier Generationen von der Gründerzeit bis ins Jahr 1948. Tergit arbeitete fast zwei Jahrzehnte an dieser mitreißenden Chronik, die das Leben des jüdischen Bürgertums in allen…
Es gibt eigentlich nichts, was für die Existenz von Geheimdiensten spricht. Ihre Daseinsberechtigung besteht allerdings darin, das Sujet für Agentenromane wie die von Mick Herron zu liefern. Zum Glück fürs deutsch lesende Publikum erscheinen diese jetzt nach und nach beim Diogenes Verlag. Im Mittelpunkt steht das Slough House in Finsbury, eine…
In den Achtzigern hat man schlicht „Faschos“ gesagt, inzwischen ist von extrem Rechten und Rechtsextremen die Rede, von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, konformistischer Rebellion und völkischem Autoritarismus, von rechtspopulistisch oder zaghaft von rechtsoffen, reichlich reduziert von Rassist*innen oder nicht sehr geschichtsbewusst und…
Eine der ergiebigsten Faschismustheorien liefern die Forschungen der Kritischen Theorie zum autoritären Charakter. Angesichts der aktuellen Rebellion gegen simple Hygieneregeln wirken etwa die Studien von Leo Löwenthal verblüffend plausibel.* Die Reden faschistischer Agitatoren analysierte er als „umgekehrte Psychoanalyse“; faschistische Agitation…
Im Elfenbein Verlag erscheint jetzt der autobiographisch gefärbte Romanzyklus Almosen fürs Vergessen von Simon Raven (1927–2001). Der erste Band, Fielding Gray, spielt 1945 in einer englischen Public School für Jungen. Public Schools heißen so, weil sie für alle zugänglich sind, die sich die hohen Schulgebühren leisten können – beredter…
Sieben Jahre später, an ganz anderem Ort: Der junge jüdische Mathematiker Daniel Mond nimmt widerstrebend den Auftrag seines Cambridger Professors an, sich ins Land der Nazis, nach Göttingen, zu begeben. An der dortigen Universität soll er den Nachlass eines verstorbenen Kollegen entschlüsseln, geheimnisvolle Formeln, an denen schon einige vor ihm…
Der Klappentext feiert die Titanic-Redakteurin Ella Carina Werner als „eine der humorvollsten Kämpferinnen für den Feminismus“. Nach der Lektüre bleibt festzuhalten: ist nicht gelogen. Eine Frau kurz vor der 40 widmet sich den existenziellen Fragen dieser Lebensphase: War das jetzt schon alles? Ist eine Viererbeziehung nicht eigentlich viel…
Ursula López ist nicht die, die sie sein sollte, dessen ist sie sich sicher. Sie hätte nicht als ungeliebter Schatten ihrer schönen Schwester aufwachsen sollen. Sie will sich weder mit ein paar Pfunden zu viel, noch mit Diäten rumschlagen, und sie will kein bescheidenes, einsames Leben leben. In ihr brodelt ein Hass, den schon der schräge Blick…
Es ist schwer, nicht zu viel zu verraten über den zweiten Montevideo-Krimi von Mercedes Rosende, weil er so gut anschließt und seine Figuren dort abholt, wo Die falsche Ursula sie enden ließ. Soviel sei gesagt: Ursulas beschädigte, neiderfüllte Seele treibt sie weiter um. Bei einem neuen Kaperzug läuft sie zu kaltschnäuziger Höchstform auf,…

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