Buchtipps

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Wer je selbst einmal Lehrling war, kennt diese Wendung bis zum Überdruss. Wenn solche seit Jahrzehnten wiederholten, schwachsinnigen und im Grunde bösartigen Phrasen, zu denen auch „Arbeit adelt“ gehört, wenn solche Phrasen überhaupt ein Gran Wahrheit enthalten, dann dies, dass die Berufsausbildung in einem der…
Im Jahr 2005 ist Bagdad eine zerrissene Stadt. Inländische und ausländische Sicherheitskräfte, sunnitische und schiitische Milizen sind in einem Guerillakrieg verfangen, aus dem kein Ausweg in Sicht ist. Selbst das „Amt für Beobachtung und Beurteilung“, in dem altgediente Baathisten Astrologen und andere Mitarbeiter mit hellseherischen Fähigkeiten…
In den 1970er und 1980er Jahren erscheint der kleinen Mimi die Welt einigermaßen in Ordnung. Die Welt ist für sie ein kleines Städtchen an der Havel. Alle Pflasterstraße führen zu den alten Ziegeleien und sind ausgewetzt von den Fuhrwerken, die seit der industriellen Revolution darüber gefahren sind. Auch die Menschen sind von den Ziegeleien…
Was für ein Einstieg: Nachts auf der Flucht vor dem Nazi-Bruder der Liebsten nackt auf dem Rennrad durch den Pfälzer Wald. Und es geht so weiter: mitreißend, hart, lakonisch, berührend und immer wieder unfassbar und unerwartet witzig. Schonungslos blickt der Ich-Erzähler in Tijan Silas Debütroman auf sich selbst und seine Umgebung: während seiner…
Drei kleine Jungen werden Opfer eines Autobombenattentats auf einem Markt in Delhi. Die beiden Khurana-Brüder, elf und dreizehn Jahre alt, sterben. Ihr Freund Mansoor überlebt. Es war „eine kleine Bombe“, wie sie in den 1990er Jahren in Indien laufend explodieren. Selten führen die Ermittlungen zu einem Ergebnis, eine Explosion übertönt die…
Seit dem Tod des Marschall-Vaters ist die spiroistische Partei desorganisiert wie ein geköpftes Huhn. Die verschiedenen Fraktionen bekämpfen sich gegenseitig, die Macht der Erstkämpferfamilien scheint hingegen ungebrochen. Die Jugend Crocutaniens verfällt unterdes dem illegalen Flipperspielen. Es entsteht eine klandestine Flipperszene, in der auch…
Vom Totalitarismus „realsozialistischer“ Prägung handelt auch Maxim Billers neuester Roman. Der stalinistische Antisemitismus treibt die Billers in die Emigration, von Moskau nach Prag. Radon und Semjon ziehen mit ihren Kindern Maxim und Jelena weiter nach Hamburg, der ferne Onkel Lev ist schon längst in Brasilien. Über Kanada und Paris landen…
„Die Gerechten müssen den Verdammten ihren Platz zuweisen können“, so gebietet es das Gesetz der rassistischen Gesellschaft. Alonzo Hunt, genannt Fonny, ist ihm in die Fänge geraten. Ein bösartiger irischer Polizist hat beschlossen, ihm, dem jungen schwarzen Mann, der sich nicht einschüchtern ließ, die Vergewaltigung einer puertoricanischen Frau…
Die Welt hat sich fundamental verändert – und auch wieder nicht. In Naomi Aldermans hoch spannendem Roman Die Gabe kehren sich innerhalb kürzester Zeit die Kräfte- und Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern um. Den Frauen ist ein neues Organ gewachsen, mit dessen Hilfe sie Stromstöße abgeben können – stimulierende, schmerzhafte, tödliche.…
Etwas mit den Slańsky-Prozessen Vergleichbares hat es in der DDR nicht gegeben, aber durchaus einen virulenten Antisemitismus stalinistischer Ausprägung. Der Arbeitskreis „Stalin hat uns das Herz gebrochen“ in der Berliner Naturfreundejugend hat sich in einem jahrelangen Diskussions- und Lernprozess mit dem Thema beschäftigt und…

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