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Buchtipps

Für alle, die es noch nicht gelesen haben: Effingers gibt es jetzt auch als Taschenbuch!

Es gibt eigentlich nichts, was für die Existenz von Geheimdiensten spricht. Ihre Daseinsberechtigung besteht allerdings darin, das Sujet für Agentenromane wie die von Mick Herron zu liefern. Zum Glück fürs deutsch lesende Publikum erscheinen diese jetzt nach und nach beim Diogenes Verlag.

In den Achtzigern hat man schlicht „Faschos“ gesagt, inzwischen ist von extrem Rechten und Rechtsextremen die Rede, von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, konformistischer Rebellion und völkischem Autoritarismus, von rechtspopulistisch oder zaghaft von rechtsoffen, reichlich reduziert von Rassist*innen oder nicht sehr geschichtsbewusst und doch irgendwie treffend von Nazis. In der Vielzahl von Bezeichnungen drückt sich eine gewisse Unsicherheit aus, mit was überhaupt man es zu tun hat.

Eine der ergiebigsten Faschismustheorien liefern die Forschungen der Kritischen Theorie zum autoritären Charakter. Angesichts der aktuellen Rebellion gegen simple Hygieneregeln wirken etwa die Studien von Leo Löwenthal verblüffend plausibel.* Die Reden faschistischer Agitatoren analysierte er als „umgekehrte Psychoanalyse“; faschistische Agitation zielt darauf, individuellen Querulantismus zu kollektivem Wahn zu steigern und das Realitätsprinzip außer Kraft zu setzen.

Im Elfenbein Verlag erscheint jetzt der autobiographisch gefärbte Romanzyklus Almosen fürs Vergessen von Simon Raven (1927–2001).

Sieben Jahre später, an ganz anderem Ort: Der junge jüdische Mathematiker Daniel Mond nimmt widerstrebend den Auftrag seines Cambridger Professors an, sich ins Land der Nazis, nach Göttingen, zu begeben. An der dortigen Universität soll er den Nachlass eines verstorbenen Kollegen entschlüsseln, geheimnisvolle Formeln, an denen schon einige vor ihm gescheitert sind.

Der Klappentext feiert die Titanic-Redakteurin Ella Carina Werner als „eine der humorvollsten Kämpferinnen für den Feminismus“. Nach der Lektüre bleibt festzuhalten: ist nicht gelogen.

Ursula López ist nicht die, die sie sein sollte, dessen ist sie sich sicher. Sie hätte nicht als ungeliebter Schatten ihrer schönen Schwester aufwachsen sollen. Sie will sich weder mit ein paar Pfunden zu viel, noch mit Diäten rumschlagen, und sie will kein bescheidenes, einsames Leben leben. In ihr brodelt ein Hass, den schon der schräge Blick einer Verkäuferin zum Überschäumen bringen kann.

Es ist schwer, nicht zu viel zu verraten über den zweiten Montevideo-Krimi von Mercedes Rosende, weil er so gut anschließt und seine Figuren dort abholt, wo Die falsche Ursula sie enden ließ.

Wie die uruguayische Autorin Mercedes Rosende arbeitet die Französin Hannelore Cayre in zweitem Beruf als Anwältin. Auch die Protagonistinnen ihrer Kriminalromane haben einiges gemeinsam. Sie werden gerne ausfällig. Und weil sie sich keine Hoffnung machen, dass irgendwer dem Verbrechen das Handwerk legen wird, greifen sie lieber selbst zu, wenn sich die Gelegenheit bietet.